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Microsoft bleibt bei Windows Phone 7 vom Pech verfolgt

23.02.2011 | 14:34 Uhr |

Mit Windows Phone 7 wollte Microsoft endlich auf Augenhöhe mit Apple iOS und Google Android kommen. Doch bisher reiht sich bei Phone 7 nur Panne an Panne.

Microsoft hat die Seuche. Zumindest was den Bereich Smartphone-Betriebssysteme angeht. Erst verpassten die Redmonder den Anschluss und mussten – ähnlich wie Nokia mit Symbian und RIM mit Blackberry – den Hype-Systemen iOS und Android den Vortritt lassen: Ihr Windows Mobile ist zwar solide und für den Unternehmenseinsatz hervorragend geeignet, konnte allerdings bei den Bereichen Look&Feel, Bedienbarkeit, Funktionsumfang und App-Angebot in keiner Weise mit dem Giganten von Apple und Google mithalten.

Dann brachte Microsoft endlich den Nachfolger Windows Phone 7 auf den Markt. Und musste gleich zum Start einräumen, dass wichtige Funktionen, die für iOS und Android selbstverständlich sind, fehlen . Beispielsweise generelles Multitasking und Copy&Paste – von der geringen Zahl an verfügbaren Apps ganz zu schweigen. Gegenüber Android müssen Windows Phone 7-Nutzer zudem zusätzliche Einschränkungen hinnehmen, wie beispielsweise die Tatsache, dass der Zugriff vom PC aus nur via Zune möglich ist.

Die Monate nach dem Start von Windows Phone 7 im Oktober 2010 vergingen denn auch prompt mit der Diskussion darum, wann denn Microsoft endlich das erste Update nachschieben würde, das zumindest einige der fehlenden Funktionen, wie eben Copy&Paste, nachrüsten würde. Unterbrochen wurde diese Diskussion um das Update nur durch eine Meldung, dass sich Windows Phone 7-Besitzer über unerklärlichen Geister-Traffic beschwert hätten, der ihr monatliches Freivolumen innerhalb einer Nacht komplett aufgebraucht und/oder erhebliche Traffic-Kosten verursacht habe . Ein Partnerunternehmen von Microsoft, nämlich der Smartphone-Hersteller LG Electronics stichelte zudem, dass er über die Verkaufszahlen der Smartphones mit dem neuen mobilen Betriebssystem enttäuscht sei .

Der nächste Tiefschlag für Microsoft kam, als wieder einmal Marktanteile der Smartphone-Betriebssysteme veröffentlicht wurden: Windows Mobile 6.x verlor mehr Marktanteile als Windows Phone 7 hinzugewinnen konnte - Google Android sagte Danke .

Gestern war es dann endlich so weit: Das erste Update für Windows Phone 7 stand bereit. Und die Enttäuschung darüber war riesengroß: Denn es bringt keine neuen Funktionen, sondern soll lediglich den künftigen Update-Ablauf vereinfachen .

Update setzt Windows Phone 7 außer Gefecht

Doch damit nicht genug: Ausgerechnet dieses Wartungs-Update, das künftige Updates erleichtern soll, schlug anscheinend auf einigen Smartphones fehl; zumindest Windows Phone 7-Modelle von Samsung scheinen betroffen. Aus den USA erreichen uns ständig neue Informationen über gescheiterte Update-Versuche und vor allem: über Smartphones, die durch das gescheiterte Update faktisch unbrauchbar wurden. Aus den hochintelligenten digitalen Alleskönnern wurden wertlose Ziegel: „Bricks“, wie man zerstörte unbrauchbare Smartphones sarkastisch nennt. Bei einigen Geräten ließ sich der Urzustand anscheinend wieder herstellen, doch das eine oder andere Smartphone wurde offensichtlich komplett unbrauchbar – Microsoft-Mitarbeiter konnten via Twitter nur noch dazu raten, sie in den Laden zurückzubringen, wo man sie gekauft hatte, damit sie dort instandgesetzt beziehungsweise eingeschickt werden.

Dieses Desaster trifft Microsoft umso härter, weil es immer betonte, dass Windows Phone 7 sicherer als Android sei. Weil es mit dem Windows Marketplace nur eine einzige Download-Plattform gebe, bei der alle eingereichten Apps vor der Freischaltung überprüft würden (was der Vorgehensweise von Apple beim App Store entspricht). Und weil Microsoft anders als Google ganz klare Hardwarestandards für die Smartphone-Hersteller vorgegeben habe, die diese strikt einhalten müssen. Damit wollte Microsoft vermeiden, dass Windows Phone 7-Geräte auf den Markt kommen, die nur langsam reagieren und mit schlechter Performance nerven. Stabilität und Sicherheit ging Microsoft bei Windows Phone 7 also über alles – sogar die umständliche Methode, dass man ein Phone 7-Gerät mit dem PC oder dem Mac nur über eine vorgegebene Software (zum Beispiel Zune unter Windows) verbinden kann und dass es bei Phone-7-Smartphones keine SD-Karten-Einschübe gibt, begründete Microsoft im Gespräch mit uns mit dem Hinweis auf Sicherheitsaspekte. Und nun lässt ausgerechnet das erste Update einige Windows Phone 7-Geräte einfrieren…

Microsoft gibt sich bis jetzt zugeknöpft zu dem Update-Desaster. Ein US-Medium zitiert einen Microsoftsprecher folgendermaßen: „Wir überprüfen die Berichte, die es in Zusammenhang mit dem Windows Phone-Update-Prozess gibt und werden zusätzliche Informationen und Ratschläge bereitstellen, sobald sie vorliegen“.

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