188356

Skurril: Internet Schuld an Energiekrise?

24.01.2001 | 16:43 Uhr |

Durch die Energiekrise in Kalifornien wurde den Bürgern der USA deutlich gemacht, dass auch dort Ressourcen nicht unerschöpflich sind. Die Suche nach einem Schuldigen für diese Krise hat bereits begonnen und einige Experten meinen, bereits den Verursacher ausgemacht zu haben: das Internet ist an allem Schuld!

Durch die Energiekrise in Kalifornien wurde den Bürgern der USA deutlich gemacht, dass auch dort Ressourcen nicht unerschöpflich sind. Obwohl der Stromverbrauch pro Kopf in den Vereinigten Staaten mit cirka 17.000 Kilowattstunden rund drei Mal so hoch ist wie in Deutschland, sucht man lieber einen Schuldige, als selber Sparpotenziale zu erschließen.

Einige Experten haben nach Angaben der "USA Today" den Übeltäter auch schon ausfindig gemacht. Ihrer Ansicht nach tragen das Internet und die dazugehörigen Unternehmen eine Mitschuld an der sich verschärfenden Energiekrise in den USA.

Demzufolge benötigen so genannte "Server Farmen" die beispielsweise Webseiten oder andere Online-Dienste hosten, rund 10 Megawatt. Genug um 10.000 Haushalte mit Strom zu versorgen. Der geschätzte Stromverbrauch der Internet-, Computer- und Telekom-Industrie der USA liegt derzeit zwischen 3 und 8 Prozent des jährlichen Gesamtvolumens.

Bereits im letzten Jahr warnte der Energie-Expert Mark Mills den Kongress, dass dieser Anteil auf bis zu 50 Prozent anwachsen könnte. Nach seinen Angaben benötigt ein internetfähiger PC pro Jahr die gleiche Strommenge wie ein Kühlschrank.

Doch auch die Gegenseite hat Argumente parat. So meint Jonathan Koomey, Wissenschaftler des "Lawrence Berkeley National Laboratory", dass diese Energierechnungen schon längst ins Reich der Fabeln gehören.

Seiner Ansicht nach hat der technologische Aufschwung der letzten Jahre im Gegenteil dazu beigetragen, Energie zu sparen. Alte Unternehmensformen wie Fabriken benötigen zur Produktion von Autos oder ähnlichem weitaus mehr fossile Brennstoffe, als die Computer- oder Internet-Industrie. "Wenn Microsoft Software im Wert von mehreren Milliarden Dollar verkauft, benötigt sie dafür wenig Energie. Vergleichen Sie dazu die Produktion von Tausenden von Autos."

Landesweit gesehen wuchs die Wirtschaft der USA in den letzten vier Jahren um jeweils fünf Prozent, wohingegen der Energieverbrauch lediglich um ein Prozent anstieg. Anders wiederum lesen sich die Zahlen in Kalifornien: So wuchs im Silicon Valley der Stromhunger letztes Jahr um 5,5 Prozent, im Staat Kalifornien jedoch durchschnittlich um 2,5 Prozent.

Da sich in diesem Bereich von Kalifornien jedoch massiv High-Tech-Firmen ansiedeln, ist es auch kein Wunder, wenn der Stromverbrauch stärker ansteigt als im Durchschnitt des Staates. (PC-WELT, 24.01.2001, mp)

Kostet Umweltschutz Arbeitsplätze? (PC-WELT Online, 10.01.2001)

Flatrates lassen Stromkosten steigen (PC-WELT Online, 24.11.2000)

0 Kommentare zu diesem Artikel
188356