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Chinesin verkauft Lebenszeit im Internet

18.04.2009 | 14:07 Uhr |

Das Internet ist mittlerweile Heimstätte vieler verrückter Ideen und Projekte. Dass in dieser Hinsicht aber wohl noch lange nicht der Zenit erreicht ist, zeigt das Beispiel der jungen Chinesin Chen Xiao.

Seit Dezember vergangenen Jahres betreibt die 26-Jährige einen Online-Shop, der ein sehr spezielles Angebot für seine Kunden bereithält. Zu einem Preis von umgerechnet rund drei Dollar pro Stunde bietet das in Peking lebende Mädchen dort die eigene Lebenszeit zum Verkauf an. Wie Chen gegenüber CNN erklärt, erwerben Käufer mit der Zeit, für die sie bezahlt haben, auch das Recht, ihr Leben in diesem Zeitraum vollkommen frei nach den eigenen Wünschen zu gestalten. Ausgenommen sind ihren eigenen Angaben zufolge lediglich solche Wünsche, die ein illegales, unmoralisches oder gewalttätiges Verhalten beinhalten. "Jedes Mal, sobald ich einen Plan dafür entwickelt hatte, was ich mit meinem Leben anfangen will, wurde nichts daraus. Wenn ich es nun anderen Menschen erlaube, mir vorzuschreiben, was ich tun soll, stolpere ich vielleicht über neue und bessere Dinge", fasst die junge Chinesin die Grundidee hinter ihrem ungewöhnlichen Online-Angebot zusammen. Dass sie dabei gleichzeitig auch noch gutes Geld verdienen könne, sei nur ein positiver Nebeneffekt. Insbesondere in Zeiten der Wirtschaftskrise sei der Verkauf von Lebenszeit aber eine gute Möglichkeit, sich finanziell über Wasser zu halten. Wichtiger als das Geld sei der 26-Jährigen allerdings die Freude an der Sache selbst. "Wenn dich jemand darum bittet, etwas Einfaches zu erledigen und du es tust, kann es dich sehr glücklich machen. Dadurch kann man sich von einer trübseligen zu einer sehr fröhlichen Person verwandeln. Auf diese Weise bekommt man ein völlig anderes Selbstwertgefühl", erläutert Chen.

Die Wünsche, mit der sich Mitmenschen im Internet an sie richten würden, seien sehr unterschiedlich. Vom Pflegen von streunenden Katzen bis hin zum Liefern von warmen Mahlzeiten an Obdachlose sei dabei schon alles Mögliche dabei gewesen, schildert Chen im CNN-Interview. Am bedeutendsten habe sie selbst den Moment empfunden, als sie gebeten wurde, einem Ehepaar bei der Geburt ihres Kindes beizustehen. "Der Vater war ein vollkommen Fremder, der nur jemanden gesucht hat, der dieses bewegende Ereignis in Form von Fotos festhält", erinnert sich die Chinesin. Natürlich hätte sie es aber auch bereits mit mehreren unanständigen Angeboten zu tun bekommen. "Es gab da diesen Mann, der mich zu ein paar privaten Stunden auf eine Ski-Berghütte einladen wollte. Als ich dort mit einem Freund und einer Kamera in der Hand auftauchte, wollte er sofort aus dem Geschäft aussteigen. Ich habe aber abgelehnt", so Chen.

Dass die findige Chinesin mit ihrem "exklusiven" Angebot bei den Internetnutzern in ihrem Land sehr gut ankommt, beweisen die bisherigen Verkaufserfolge. So sollen über den Online-Shop Chens seit seinem Start im Dezember bereits mehr als 40 Verkaufsvorgänge erfolgreich abgeschlossen worden sein. In die Taschen der 26-Jährigen sind dabei insgesamt 3.000 Chinesische Yuan (rund 336 Euro) an Einnahmen geflossen. Ob sie den Verkauf ihrer Lebenszeit im Internet noch lange weiter betreiben wird, kann Chen zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht genau sagen: "Ich weiß nicht, wie lange ich die Online-Anfragen noch weiter erfüllen werde. Wenn die Leute meine Dienste nicht mehr brauchen, werde ich wieder zu meinem ursprünglichen Leben zurückkehren. Ich weiß aber nicht genau, wie dieses aussehen wird." (pte)

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