11584

Simulation einer virtuellen Gesellschaft

20.05.2006 | 14:13 Uhr |

Wissenschaftler erforschen komplexe Zusammenhänge innerhalb zukünftiger Gesellschaftsstrukturen anhand einer Vernetzung von 60 Supercomputern.

Wenn Computer ihre eigene Gesellschaft erschaffen können, wie würde diese Welt aussehen? Ein von der European Commission Future and Emerging Technologies ( FET ) gefördertes Projekt verbindet fünf Forschungsinstitute, die mit „NEW TIES“ eine Gesellschaft erschaffen wollen, die von zufällig generierten Software-Individuen bevölkert wird. Die Insassen dieser Welt erschaffen ihre eigene Sprache und Kultur und stellen vor allem Experten der Künstlichen Intelligenz, Computerwissenschaftler, Soziologen und Linguisten vor eine ganz besondere Herausforderung.

Das interdisziplinäre Team verfolgt mit „NEW TIES“ zwei Ziele: Die Erforschung natürlicher Prozesse wie Sprachbildung und die Erschaffung einer kollektiven künstlichen Intelligenz. Linguisten und Soziologen interessieren dabei besonders die Prozesse der Gesellschafts- und Sprachbildung, den Computerwissenschaftlern gehe es eher um die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Programmen. Dies ist von besonderer Bedeutung, wenn man an künftige unbemannte Marsmissionen oder Roboter-Rettungsteams denkt, die gemeinsam ein Ziel verfolgen und kooperieren müssen.

Die Software-basierten Insassen der virtuellen Welt werden schon in wenigen Monaten die 60 untereinander verbundenen Supercomputer bevölkern. Ein derartig komplexes System wäre bisher einzigartig. Zu Beginn plane man knapp 1000 Programme einzusetzen. Doch schon bald sollen mehrere Millionen individuelle Programme mit eigenen Charaktereigenschaften, unterschiedlichen Geschlechtern und Zielstellungen in der virtuellen Welt unterwegs sein. Dabei soll jedes Programm seine Erfahrungen an seine Nachkommen vererben und auch von anderne Programmen lernen könnenuntereinander. Da den einzelnen Individuendabei nicht vorgeschrieben wird, wie sie sich zu verhalten haben, ähneln ihre Reaktionen denen menschlicher Gehirne recht gut. Sobald die Kalibrierung des Systems abgeschlossen ist, werden die Versuche beginnen. Ziel sei es, später knapp 5000 Computer miteinander zu vernetzen und so für noch mehr Spielraum für die Programme zu sorgen.

0 Kommentare zu diesem Artikel
11584