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Siemens mit glänzenden Zahlen

25.01.2007 | 08:56 Uhr |

Siemens hat hervorragende Zahlen zum ersten Quartal vorgelegt. Außerdem übernehmen die Münchner für 3,5 Milliarden Dollar die auf PLM-Software (Product Lifecycle Management) spezialisierte frühere EDS-Tochter UGS und wollen ihre Sparte VDO an die Börse bringen.

Siemens hat im ersten Quartal ungeachtet der Schmiergeldaffäre operativ glänzend abgeschnitten. Operativer Gewinn und Umsatz stiegen stärker als erwartet. Außerdem legte der für Siemens wichtige Auftragseingang überraschend zu. Die Problemsparte SBS schrieb wieder schwarze Zahlen und Siemens-Chef Klaus Kleinfeld sieht alle Segmente auf gutem Weg zu ihrem Margenzielen. Zudem kaufte Siemens den US-Softwarehersteller UGS für 3,5 Milliarden Dollar und will mindestens 25 Prozent der Automobilzuliefersparte VDO an die Börse bringen. Die Siemens-Aktie legte vorbörslich weiter zu und stieg auf den höchsten Stand seit April 2006.

Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) aus fortgeführtem Geschäft sei um 51 Prozent auf 1,631 Milliarden Euro gestiegen, teilte der Technologiekonzern am Donnerstag mit. Beim Umsatz verzeichnete das Unternehmen ein Plus um 6,2 Prozent auf 19,086 Milliarden Euro. Analysten hatten bei beiden Werten mit einem geringeren Anstieg gerechnet. Wegen der am Mittwoch verhängten und im ersten Quartal verbuchten Rekordstrafe der EU-Kommission sank der Gewinn nach Steuern von 939 Millionen Euro auf 788 Millionen Euro. Hier hatten Experten mit einem Anstieg gerechnet, dabei aber noch nicht die Strafe in Höhe von 423 Millionen Euro berücksichtigt.

Alle Bereiche des operativen Geschäfts erzielten positive Ergebnisse und die Mehrzahl der Segmente verbesserte nach Siemens-Angaben im Vergleich zum Vorjahr sowohl das Ergebnis als auch die Marge. Mit einem operativen Gewinn von 450 (Vorjahr: 359) Millionen Euro war die Sparte Automation and Drives (A&D) der größte Gewinnbringer im Konzern. Mit den Zahlen kann Siemens-Chef Klaus Kleinfeld inmitten der sich weiter ausbreitenden Schmiergeldaffäre und den Ärger um die abgespaltene und inzwischen insolvente Handysparte den Aktionären bei der am Donnerstag stattfindenden Hauptversammlung auch gute Nachrichten liefern.

"Im ersten Quartal war das Auftragswachstum besonders erfreulich. Außerdem schlug sich das Umsatzwachstum stärker in den Ergebnissen nieder", sagte der umstrittene Siemens-Chef. "Obwohl wir natürlich enttäuscht sind, dass wir aufgrund von Ereignissen in der Vergangenheit statt eines Gewinnwachstums einen Gewinnrückgang ausweisen müssen, führen wir den eingeschlagenen Weg fort." Die "enormen operativen" Fortschritte zeigten, dass Siemens ein Geschäftsportfolio schafft, das profitabler und stärker an Wachstum ausgerichtet ist als zuvor.

In der Nacht zum Donnerstag gab Siemens den 3,5 Milliarden Dollar teuren Zukauf des US-Softwareherstellers UGS, der in die Sparte A&D eingegliedert werden soll, bekannt. UGS ist der weltweit elftgrößte Softwarekonzern. Der Markt für diese Software und Dienstleistungen hat laut Siemens ein jährliches Volumen von rund 13 Milliarden Dollar und Wachstumsraten zwischen sieben und neun Prozent. UGS hat nach eigenen Angaben Kunden in 62 Staaten und beschäftigt weltweit 6.800 Menschen. Im Jahr 2005 erreichte das Unternehmen einen Umsatz in Höhe von 1,15 Milliarden Dollar.

Nach der UGS-Übernahme und einer Reihe von Zukäufen in den vergangenen Monaten setzt Siemens vor allem auf organisches Wachstum. "Wir werden sehr beschäftigt sein, diese Dinge zu integrieren", sagte Finanzvorstand Joe Kaeser. Der Konzern will außerdem mindestens 25 Prozent der Automobilzuliefersparte VDO an die Börse bringen. Die industrielle Führerschaft solle behalten werden. VDO verzeichnete zwischen Oktober und Dezember im ersten Quartal einen leichten Rückgang beim Gewinn, Umsatz und Auftragseingang. Gemessen am Umsatz gehörte VDO im ersten Quartal zu den drei größten der insgesamt zehn Siemens-Sparten. Beim operativen Gewinn rangiert VDO nur im Mittelfeld der Sparten.

Dem Siemens-Konzern steht heute nach der Schmiergeldaffäre und der Pleite des ehemaligen Handygeschäfts BenQ Mobile eine turbulente Hauptversammlung - wer reinschauen möchte: es gibt einen Videostream - bevor. Auf dem Aktionärstreffen in der Münchner Olympiahalle wird mit heftiger Kritik am Management gerechnet. Aktionärsschützer machen die Siemens-Führung auch für den Image-Schaden durch die Hiobsbotschaften mit verantwortlich. Erst am Mittwoch war bekannt geworden, dass Siemens wegen Preisabsprachen bei Schaltsystemen für Stromnetze eine Rekordstrafe von mehr als 400 Millionen Euro an die EU zahlen soll. Zu der Hauptversammlung haben sich rund 30.000 Aktionäre angemeldet. (dpa/tc)

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