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Siemens-Vorstand fürchtet Übernahme

01.10.2006 | 14:02 Uhr |

Wie das Wirtschaftsmagazin „Capital“ berichtet, fürchtet der Siemens-Vorstand, aufgrund der relativ niedrigen Börsenkurse, eine feindliche Übernahme des Konzerns.

Capital beruft sich dabei auf interne Reden von Jürgen Radomski, Mitglied des Zentralvorstands und Arbeitsdirektor der Siemens AG . Laut Radomski ist der Vorstand darum bemüht die Ertragskraft zu verbessern, um Attacken zu verhindern, die von Hedge-Fonds oder Private Equity-Firmen ausgehen könnten. Auch der Schritt, die Dividende für das Geschäftsjahr 2004/05 um zehn Cent zu erhöhen, sollte die Aktionäre ruhig stellen.

Radomski habe laut Capital in einem Szenario ausgemalt, was nach einer Übernahme passieren könne. So würde Siemens zerlegt, gewinnbringende Einheiten verkauft, Kredite aufgenommen und die vorhandene Liquidität an die Anteilseigner der Fonds ausgeschüttet. Ein höherer Börsenkurs sei aus Sicht des Siemens-Vorstands der wirksamste Schutz gegen eine Übernahme.

Große Probleme machen Siemens derzeit vor allem zwei Geschäftsbereiche: der EDV-Dienstleister SBS und die Telekommunikationssparte Com . Für SBS rechnete der Vorstand mit einem Verlust von rund 350 Millionen Euro. Laut Capital schließe man nun aber einen Verlust von 700 Millionen Euro nicht aus, denn nach drei Quartalen waren schon minus 522 Millionen Euro aufgelaufen.

Im Geschäftsbereich Com sieht es nicht weniger düster aus. Den profitablen Bereich für Fest- und Mobilfunknetze hat Siemens in ein Joint Venture mit Nokia abgegeben, den rote Zahlen schreibenden Bereich für Telefonanlagen will der Vorstand ausgliedern und anschließend abstoßen. Um den Unternehmensbereich, der gegen Konkurrenten wie Cisco , Alcatel oder Avaya bestehen muss, auf Dauer abzusichern, sind laut einer internen Einschätzung des Vorstands mehr als eine Milliarde Euro erforderlich. Welcher Investor dazu bereit wäre, steht noch in den Sternen.

Der Vorstand hatte für den gesamten Com-Bereich ursprünglich auf einen Gewinn von rund 150 Millionen Euro gehofft, nach Capital-Informationen liegt die aktuelle Prognose jedoch bei einem Verlust von über 200 Millionen Euro.

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