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Siemens-Chef Kleinfeld unter Beschuss

05.11.2006 | 14:46 Uhr |

IG Metall und Fondsmanager rechnen im Tagesspiegel mit Siemens-Chef Kleinfeld ab.

Scharfe Kritik an Siemens -Chef Klaus Kleinfeld üben die Gewerkschafter der IG Metall und die Fondsmanager von Siemens. „Das letzte Geschäftsjahr war beschäftigungspolitisch eine Katastrophe“, sagte der bayerische IG Metall-Chef Werner Neugebauer dem Tagesspiegel am Sonntag. „Die Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit von Siemens und damit die Motivation vieler Mitarbeiter“ sei verloren gegangen. Diesen Umstand führt Neugebauer vor allem auf den Imageschaden nach dem Verkauf der Handy-Sparte an die inzwischen insolvente BenQ und die zahlreiche Baustellen im Konzern zurück.

Auch unter Kleinfelds Vorgänger Heinrich von Pierer, dem heutigen Siemens-Aufsichtsratschef, seien wichtige Trends „völlig verpennt“ worden, so Neugebauer. Siemens wird am kommenden Dienstag die Geschäftszahlen für 2005/06 vorlegen. Nicht nur die Gewerkschafter sind mit Kleinfeld unzufrieden, auch die Investoren äußern Kritik: „Zum Unternehmertum gehört eine vernünftige Rendite. In dieser Hinsicht war 2006 wieder ein verlorenes Jahr für Siemens“, sagte Henning Gebhardt, Leiter Deutsche Aktien bei der größten deutschen Fondsgesellschaft DWS , dem Tagesspiegel am Sonntag .

Union Investment fordert ebenfalls mehr Tempo. „Ich erwarte von Siemens eine Umsatzrendite, die deutlich über den aktuellen acht Prozent liegt“, sagte Fondsmanager Christoph Niesel. „Damit kann man in einer weltwirtschaftlichen Wachstumsphase nicht zufrieden sein.“ Elf oder 14 Prozent schafften beispielsweise Wettbewerber wie ABB oder General Electric. Fondsmanager Niesel befürchtet sogar, dass Siemens zum Übernahme-Kandidaten werden könnte: „Siemens muss konsequent an seiner Profitabilität arbeiten“, sagte er. „Wenn man das versäumt, dann ist man bald nicht mehr Herr seiner Geschicke und wird zum Übernahmeziel. Und ein ausländischer Besitzer wird weitaus brutaler
vorgehen - ohne Rücksicht auf Verluste.“

Eine Gefährdung von Kleinfeld an der Siemens-Spitze sieht vor allem Bayerns IG Metall-Chef Neugebauer: „Wenn es in den nächsten 14 Tagen nicht zu befriedigenden Lösungen für die Arbeitnehmer bei BenQ, SBS und Enterprise kommt, dann muss man sich wirklich fragen, ob das Tandem Kleinfeld und von Pierer das richtige Team ist.“

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