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Wikipedia geht gegen Vandalismus vor

06.05.2008 | 14:44 Uhr |

Die deutschsprachige Wikipedia hat mit dem Freischalten von "gesichteten" Artikeln begonnen. Damit soll künftig grobem Vandalismus ein Riegel vorgeschoben werden.

Ein wesentlicher Grund für die Beliebtheit von Wikipedia ist: Jeder kann daran mitschreiben. Doch das ist zugleich auch eine große Schwäche der Online-Enzyklopädie, denn so können nicht nur Autoren mit unzureichendem Fachwissen Artikel mit Faktenfehlern entwerten, sondern obendrein können auch Vandalen Artikel mit offensichtlichem Unsinn nahezu wertlos oder zumindest schwer lesbar machen. Dagegen geht Wikimedia Deutschland e.V., der Verein, der für die deutschsprachige Wikipedia zuständig ist, jetzt vor. Als Schutzmechanismus gegen offensichtlichen Vandalismus soll die seit heute frei geschaltete Sichtung dienen . Die nächste, weiter gehende Sicherungsstufe, die zusätzlich auch inhaltliche Qualität gewährleisten soll, heißt dann "Prüfung".

Bei Redaktionsschluss gab es allerdings noch keine geprüften Artikel (die man an einem grünen Häkchen erkennen würde), lediglich einige gesichtete Artikel sind bereits verfügbar, eine Liste finden Sie hier . Greifen wir uns daraus den Artikel zu Augustus, den Gründer des römischen Kaiserreichs, als Beispiel heraus. Er gilt als gesichtet, was man an dem kleinen Icon rechts oben im Artikel erkennt. Das heißt, einer der so genannten "Sichter" hat ihn auf offensichtliche Verunstaltungen oder Tippfehler überprüft und dann als gesichtet frei gegeben (kenntlich gemacht durch ein gelbes Auge-Icon).

Nutzer von Wikipedia, die ohne Anmeldung den Artikel aufrufen, bekommen künftig zunächst die gesichtete Version (oder die gesichteten Versionen – es können nämlich auch mehrere Artikelversionen als gesichtet markiert werden) des Augustus-Artikels angezeigt. Angemeldete Benutzer sehen dagegen immer die aktuelle Variante. Ungesichtete Versionen erhalten ein rotes Ausrufezeichen in den letzten Änderungen und der Beobachtungsliste angezeigt.

Wer als Sichter aktiv werden darf, steht noch nicht ganz genau fest, er oder sie muss aber in jedem Fall eine bestimmte Zeit lang bei Wikipedia angemeldet sein und eine gewisse Zahl an Korrekturen im Artikelraum gemacht haben. Interessierte Teilnehmer von Wikipedia können sich auf einer eigens dafür geschaffenen Seite bewerben .

Ob sich das Prinzip der Sichtung bewährt, muss der jetzt gestartete Betatest zeigen. Sollte es künftig zu lange dauern, bis Änderungen und neue Details bei Artikeln sofort für alle sichtbar werden, so könnte das der Popularität von Wikipedia schaden.

Die Entwicklung der gesichteten und geprüften Versionen ist ein Gemeinschaftsprojekt von Wikimedia Deutschland, Wikimédia France und der in San Francisco ansässigen Wikimedia Foundation.

Wikipedia erscheint als gedrucktes Lexikon

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