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"Sicherheitslage prekär" - Schäuble liest IT-Branche die Leviten

Eigentlich sollte der "Zweite Gipfel zur Sicherheit in der Informationsgesellschaft" der Initiative "Deutschland sicher im Netz" eine kleine Jubelfeier werden - bis Bundeinnenminister Wolfgang Schäuble das Wort ergriff.

Der "Zweite Gipfel zur Sicherheit in der Informationsgesellschaft" der Initiative " Deutschland sicher im Netz " war eigentlich als kleine Jubelfeier für die erreichten Erfolge bei der Bekämpfung der Gefahren aus dem Internet geplant. Doch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) lies sich davon am Dienstag in Berlin wenig beeindrucken und las dem Gastgeber, Telekom-Vorstandschef Kai-Uwe Ricke, und Microsoft-Chef Steve Ballmer stellvertretend für die gesamte Branche die Leviten. "Die Sicherheitslage ist durchaus prekär", sagte Schäuble und verwies auf die ständig wachsende Zahl von Angriffen aus dem Netz und Sicherheitslücken in den Computersystemen.

Die Technik der Angreifer werde immer raffinierter. Früher hätten die Hacker das Ausspähen fremder Computer als Hobby betrieben. "Der Hacker von heute ist von kriminellen Motiven geleitet", sagte Schäuble. Fast immer seien Geld oder Spionageaufträge mit im Spiel. Während die Mitglieder der Initiative, darunter Microsoft, SAP, T- Online, eBay sowie verschiedene Verbände eine positive Bilanz der Zeit seit dem ersten Sicherheitsgipfel zogen, streute Schäuble Salz in die offene Wunde. "Zu einer ungeschönten Bilanz gehört auch, dass die Initiative in manchen Bereichen hinter den Versprechen zurückgeblieben ist."

Vor allem die Anstrengungen zu Absicherung des Online-Handels reichen dem Innenminister nicht aus. Und auch mit dem Sicherheitsniveau gängiger Computerprogramme ist Schäuble nicht zufrieden: "Die IT-Wirtschaft muss ihre Anstrengungen vermehrt auf die Erstellung sicherer Systeme verwenden."

Doch nicht allein die Industrie sei für die missliche Situation verantwortlich, sagte Schäuble und verwies auf eine vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik in Auftrag gegeben Umfrage: "Jeder vierte Computer-Anwender verzichtet auf einen Virenschutz. Und jeder zweite ist im Netz ohne Firewall unterwegs." Der Kampf um eine bessere Sicherheit im Netz sei eine Sisyphus-Arbeit.

An die Verantwortung der Anwender hatte zuvor auch Telekom-Chef Ricke appelliert: "Wer mit seinem Auto am Straßenverkehr teilnimmt, schützt sich durch einen Sicherheitsgurt und eine angemessene Fahrweise. Und wer mit seinem Rechner im Internet surft, muss sich mit wirkungsvoller Software und einem verantwortungsbewussten Umgang mit dem Internet schützen."

Der Vorstandschef von Microsoft, Steve Ballmer, betonte, es gehe nicht darum, die Computeranwender zu verunsichern, sondern die Menschen sicherer im Umgang mit den bestehenden Gefahren zu machen. Die Initiative "Deutschland sicher im Netz" sei nach internationalen Maßstäben vorbildlich, auch wenn der Minister noch nicht mit allem Erreichten zufrieden sei. "Das ist keine der üblichen Bla-bla- Veranstaltungen, sondern da ist wirklich Action." In den USA werde demnächst eine Initiative "Get net safe" gestartet, die sich durchaus an der deutschen Aktion orientiere.

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