26.02.2008, 12:22

Hans-Christian Dirscherl

Sicherheits-Risiko

Erste Kritik an Adobe AIR

Adobe hat gestern seine Laufzeitumgebung AIR 1.0 zum Download bereit gestellt. Allerdings nur für Windows und MacOS. Die Linux-Variante ist dagegen noch immer in der Alpha-Phase, von echter Plattformunabhängigkeit kann also noch keine Rede sein. Außerdem äußerte Microsoft Kritik am Sicherheitskonzept von AIR.
Mit der Adobe Integrated Runtime AIR (ehemals als "Apollo" bezeichnet) lassen sich Rich Internet Applications wie Desktop-Programme offline und ohne Browser auf dem PC abspielen. Adobe AIR 1.0 steht derzeit aber nur für Windows 2000, XP und Vista sowie für MacOS X zum Download bereit, Linux-Nutzer werden dagegen vertröstet. Das ist ausgesprochen ärgerlich, denn Adobe hat in der Vergangenheit immer die Plattformunabhängigkeit seiner AIR-Technologie betont, zuletzt auf der Systems 2007 im Gespräch mit der PC-WELT. Gerade durch seine Plattformunabhängigkeit wolle sich Adobe von Microsoft unterscheiden (wobei typische Adobe-Produkte wie Photoshop und das eingekaufte Dreamweaver bekanntlich nicht für Linux erhältlich sind).
Wie Kevin Lynch, Chief Technical Officer (CTO) von Adobe, gegenüber unserer Schwesterpublikation Infoworld jetzt erklärte, soll AIR für Linux im Laufe dieses Jahres erscheinen. Damit könnte eine komplett neue Palette von Linux-Anwendungen entstehen, wie Lynch hofft. Derzeit würde Adobe Linux-Nutzer suchen, die beim Testen der derzeit noch im Alphastadium befindlichen Linux-Version von AIR helfen könnten.
Außerdem bekräftigte Adobe seine Absicht, AIR künftig auch für mobile Geräte anzubieten. Besonders gespannt sei man bei Adobe auf die AIR-Variante für das iPhone.
Microsoft kritisiert derweil das Sicherheitskonzept von AIR. Denn AIR läuft außerhalb des Browsers und damit außerhalb von dessen Sandbox. Anders verhalte es sich mit Microsofts konkurrierender Silverlight-Technologie. Silverlight-Anwendungen würden ausschließlich in der Sandbox des Browsers laufen und würden somit für das Betriebssystem keine Gefahr darstellen - im Unterschied zu AIR-Anwendungen.
Gegen Microsofts Kritik lässt sich allerdings einiges einwenden. Denn es gibt die Browser-Sandbox ja nur für den Internet Explorer 7 und auch da nur unter Vista (von speziellen, separat erhältlichen Programmen wie Sandboxie einmal abgesehen). Wer den IE 7 beispielsweise mit Windows XP nutzt, kann also ebenso wenig die Sicherheitseigenschaften der Browser-Sandbox nutzen wie ein Vista-Nutzer, der mit Opera oder Firefox surft.
Außerdem würde auch AIR Sicherheitseinstellungen besitzen, die einen wilden Amoklauf von AIR-Anwendungen auf dem PC verhindern sollen, wie Adobe-Vize-Präsidentin Michele Turner betont. Adobe habe sozusagen seine eigene, Browser-unabhängige Sandbox geschaffen.
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