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Forscher entwickeln neue Methoden für Datendiebstahl

19.05.2008 | 14:13 Uhr |

Forscher der Universität von Kalifornien und der Universität von Saarland haben zwei neue Methoden für das elektronische Ausspähen von Daten vorgestellt. Beide Methoden klingen so, als würden sie aus einem High-Tech-Thriller stammen.

Stellen Sie sich vor: Sie sehen ein Video von einem Menschen, der an einem PC sitzt und etwas in seine Tastatur tippt. Nun läge es nahe zu versuchen, anhand des Videos zu erkennen, was dieser Mensch da eintippt. Genau ein solches Verfahren haben die Forscher der Universität von Kalifornien in Santa Barbara entwickelt und auf den Namen "Clear Shot" getauft. Das berichtet unsere US-Schwesterpublikation PC-WORLD.

Filmfreunden dürfte das Beispiel bekannt vorkommen, denn im Film "Sneaker" aus dem Jahre 1992 versucht der von Robert Redford gespielte Computer-Experte, Marty Bishop, ebenfalls anhand einer Video-Aufnahme das Passwort eines Anwenders zu stehlen. "He's going to type in his password and we're going to get a clear shot", sagt Redfort beim Betrachten des Videos.

Clear Shot , dass die Forscher der Universität entwickelt haben, ist laut deren Angaben in der Lage, die Handbewegungen auf einer Computertastatur zu analysieren. Das Verfahren, so räumen die Forscher ein, sei zwar noch nicht perfekt, aber es ermögliche immerhin den Sinn des eingegebenen Textes zu erahnen. Ist sich die Software nicht sicher, dann gibt sie bis zu fünf mögliche Worte an, die der Anwender eingegeben haben könnte. Alles was man brauche, sei eine handelsübliche Webcam, die den Anwender beim Tippen beobachte.

Einen anderen Weg gehen die Forscher der Universität von Saarland. Sie nutzen jede noch so kleine Reflektion des Computer-Bildschirms, um von dort aus auf den Inhalt des Bildschirm zurückzuschließen. In diesem PDF-Dokument wird die Funktionsweise erläutert .

Demnach reicht jede noch so kleine Reflektion aus, wie beispielsweise die von einem Glas oder gar die eines menschlichen Auges. Das Projekt startete vor neun Monaten als Spaß-Projekt, nachdem einigen Forschern während der Mittagspause auffiel, wie viele Menschen an ihren Computern arbeiteten und es doch interessant wäre herauszufinden, an was sie gerade arbeiten.

Alles was sie benötigen, ist ein 500 US-Dollar teueres Teleskop, das auf das Objekt gerichtet wird, das den Inhalt des Bildschirms reflektiert. Bis auf 10 Metern Entfernung ist es möglich, Wörter eines Textdokuments zu lesen, das 18 Punkt große Schriftzeichen enthält. Mit einem um die 27.000 US-Dollar teueren Teleskop kann die Entfernung auf bis zu 30 Meter erhöht werden, wobei die Bildqualität erhalten bleibt.

Laut Angaben der Forscher sind zwar die Reflektionen teils sehr klein, aber die daraus ermittelten Bilder sind klarer, als man denken würde. Bei Betrachten dieser Bilder würde man oft denken, dass man direkt den Bildschirm sieht, obwohl es nur ein Bild der Reflektion des Bildschirms ist.

Die besten Ergebnisse soll eine in der Nähe des Monitors positionierte runde Teekanne liefern. Das sphärische Objekt liefere bessere Ergebnisse, als beispielsweise Brillengläser.

Derzeit tüfteln die Forscher an neuen Bildanalyse-Algorithmen und dem Anpassen der astronomischen Kameras, um bessere Ergebnisse von anderen Oberflächen zu erhalten, die den Computerbildschirm reflektieren, wie beispielsweise das menschliche Auge.

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