63886

Server-Virtualisierung hat sich durchgesetzt

Server-Virtualisierung ist mittlerweile bei europäischen Anwenderunternehmen eine feste Größe. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Untersuchung von IDC.

Einen derart schnellen Durchmarsch einer neuen Technologie hat es in der IT selten gegeben. Virtuelle Server entwickeln sich zum Liebling europäischer IT-Manager. Sowohl in Großunternehmen als auch in kleineren Betrieben nimmt Virtualisierung bei der IT- und Rechenzentrumsstrategie eine Schlüsselrolle ein. Anwenderunternehmen, die Virtualisierungstechnologie einsetzen, gaben 2007 bereits 35 Prozent des gesamten Serverbudgets für virtuelle Server aus; in 2008 soll dieser Anteil auf 52 Prozent steigen. Etwa 54 Prozent der befragten Anwender, die noch keine Virtualisierung nutzen, wollen dies innerhalb der nächsten 18 Monate umsetzen.

"Seit unserer letzten Erhebung im europäischen Markt ist der Einsatzgrad von Virtualisierungstechnologie explosionsartig gestiegen," sagte Chris Ingle, Consulting & Research Director der Systems Group von IDC. "Sowohl im Großkundensegment als auch bei kleineren Firmen findet sie bei immer mehr Applikationen und geschäftskritischen Projekten Verwendung. Mit zunehmender Akzeptanz wird allerdings auch immer klarer, welche Herausforderungen damit insbesondere im Hinblick auf die Komplexität, die Beschaffung von Fachpersonal sowie die Softwarelizenzierung einhergehen."

Nun sind die Anwender gefordert, die Möglichkeiten der Virtualisierung effektiver zu nutzen. Ein neuer IDC-Bericht (European Server Virtualization Survey 2008) beleuchtet neue und spezifische Einblicke in Trends im Bereich Server-Virtualisierung in mehreren großen europäischen Ländern. Die wichtigsten Erkenntnisse:

Auch wenn Virtualisierung nach wie vor hauptsächlich für Test- und Entwicklungsumgebungen sowie für Netzwerk-Server-Applikationen zum Einsatz kommt, werden doch auch immer mehr x86-Systeme für Kernapplikationen virtualisiert. Ausgebremst wird der weitere Siegeszug vor allem durch fehlende Expertise und Qualifikationen.

Strategisch wichtig

Für immer mehr der befragten Unternehmen hat Virtualisierung strategische Bedeutung; dieser Anteil stieg von 46 auf 54 Prozent. Interessanterweise gilt dies vor allem für Virtualisierung als eigenständige Rechenzentrumsstrategie und weniger im Rahmen anderer Projekte. IDC sieht das als Beleg dafür, dass Virtualisierung immer mehr als Standard für eine Vielzahl von Anwendungen gesehen wird.

Mit 82 Prozent Durchdringung in den befragten Unternehmen ist VMware klarer Marktführer als Virtualisierungstechnologieanbieter. Trotz des hohen Anteils an Anwendern, die mit Linux arbeiten, nutzen nur 3 Prozent der Befragten Xen als Virtualisierungs-Plattform. Microsoft kommt auf 13 Prozent, verschiedene Unix- und Mainframe-Technologien erreichen zusammen 14 Prozent.

Am stärksten konnte Virtualisierungstechnologie in den Bereichen Disaster Recovery, Backup und Verfügbarkeit zulegen; dies gilt insbesondere im Segment der kleinen und mitteständischen Unternehmen.

Die Weichen scheinen hiermit gesetzt zu sein, doch IDC sieht auch eine Reihe von Faktoren, die den Erfolg von Virtualisierung ausbremsen. Die Hauptprobleme liegen vor allem im Mangel an entsprechend qualifiziertem Personal sowie aus den Lizenzgebühren der Applikationsanbieter. Etwa 23 Prozent der befragten Unternehmen, die mit Virtualisierungstechnologie arbeiten, sagten aus, dass die Lizenzmodelle ihrer Applikationsanbieter nach wie vor nicht ihre Anforderungen adressieren; in 33 Prozent der befragten Großunternehmen schränkt dies den Einsatz von Virtualisierung ein.

Wo bleibt der Nutzen?

Ein weiterer Punkt, der bald Probleme bereiten könnte, ist die Tatsache, dass der Erfolg der neuen Technik nicht wirklich gemessen wird. Zwar wird Virtualisierung das Prädikat "geschäftskritisch" vergeben, doch in den meisten Unternehmen wird der Nutzen nicht systematisch gemessen. Auch die virtuelle Infrastruktur kommt nicht im selben Maß zum Einsatz wie die physische Infrastruktur.

Laut Nathaniel Martinez, Program Director, European Enterprise Servers bei IDC, haben "manche Firmen einerseits noch viele Applikationen im Einsatz, die effektiver gemanagt werden könnten"; andererseits – und das sei noch wichtiger – "hängen sie mit dem Einsatz von Applikationen, die genutzt werden müssten, hinterher. Mit Hilfe der Virtualisierung können diese Unternehmen ihr Applikations-Portfolio rationalisieren und Applikationen effektiver nutzen." Martinez erwartet zudem, dass mit zunehmendem Reifegrad des Marktes auch Virtualisierungsprojekte verstärkt auf den Prüfstand gestellt und gemessen werden. "Virtualisierung soll für die Infrastruktur einen höheren Mehrwert bringen", ergänzt der IDC-Experte.

Chris Ingle gibt zu bedenken, dass bei der Vielzahl unterschiedlicher Ansätze die richtige Technologiewahl entscheidend ist: "Microsoft will im weiteren Verlauf des Jahres seine Marktanteile signifikant erhöhen; VMware scheint mit dem Fokus auf Business Continuity und Virtualisierungsmanagement am richtigen Platz zu sein; Citrix und die Unix-Anbieter versuchen, sich in ihren Kernmärkten zu etablieren. Und HP, IBM, Fujitsu-Siemens Computers, Dell, Sun, BMC und andere Anbieter wollen bei den Systemen und beim Management die Nase vorn haben." (jm)

0 Kommentare zu diesem Artikel
63886