22.02.2010, 15:56

Hans-Christian Dirscherl

Selbstmord

Abmahn-Anwalt Günter Freiherr von Gravenreuth hat sich erschossen

Der umstrittene Rechtsanwalt Günter Freiherr von Gravenreuth ist tot. Er hat sich in den Räumen einer Studentenvereinigung beim Eintreffen der Polizei erschossen. Die Gründe für seinen Selbstmord scheinen mittlerweile bekannt zu sein. Außerdem gibt es eine Linkliste zu früheren Berichten über Günter Freiherr von Gravenreuth.
Günter Freiherr von Gravenreuth – dieser Name steht fast schon als Synonym für Abmahnungen und für die Ausnutzung juristischer Grenzbereiche. Jetzt ist der Mann, dessen Name über ein Jahrzehnt lang in zahlreichen Internetforen zu Wutausbrüchen führte und Hasstiraden auslöste, tot.
Günter Freiherr von Gravenreuth hat sich in den Räumen seiner ehemaligen Studentenverbindung in München-Schwabing erschossen. Er hatte seinen Selbstmord zuvor telefonisch und via Internet angekündigt.
Update 22.2.2010, 16.01 Uhr: Mittlerweile wurden Details zum Polizeieinsatz in der Nacht vom 21. auf den 22. Februar 2010 bekannt. Der 61 Jahre alte Rechtsanwalt Freiherr von Gravenreuth hatte seinen Selbstmord einem Bekannten telefonisch angekündigt. Dieser alarmierte die Polizei, die mit einem Spezialeinsatzkommando gegen 2.00 Uhr morgen in die Räume der Studentenverbindung eindrang, wo sich Gravenreuth aufhielt. Als das SEK das Treppenhaus betrat, hörten die Beamten einen Schuss. Der herbeigerufene Notarzt konnte nur noch den Tod des 61-Jährigen feststellen.
Günter Freiherr von Gravenreuth war im Jahr 2008/2009 wegen Betrugs rechtskräftig zu 14 Monaten Haft verurteilt worden. Sein Einspruch gegen das Urteil wurde abgelehnt.
Der Münchner Rechtsanwalt Günter Freiherr von Gravenreuth hatte sich seit den 1980er Jahren einen zweifelhaften Ruf als Abmahnanwalt erworben. So gab er sich in Briefen an private Softwareanbieter beziehungsweise -Tauscher als 15-jähriges Mädchen aus und bat um unlizenzierte Software („Tanja-Briefe“). Bekam er die Raubkopien tatsächlich zugesandt, so mahnte er prompt die Versender der Software wegen Verstoßes gegen das Urheberrecht ab.
Für reichlich Unmut sorgte Gravenreuth auch durch seine Abmahnungen gegen Unternehmen und Privatpersonen, die den Begriff Explorer benutzten – Gravenreuth wollte die Marke Explorer für die Firma Symikron schützen lassen.
Update 22.2.2010, 15.30 Uhr: Mittlerweile scheinen die Gründe für den Selbstmord bekannt zu sein - siehe dritte Seite dieses Artikels. Wir haben zudem die wichtigsten Artikel über Günter Freiherr von Gravenreuth, die in den letzten Jahren auf pcwelt.de erschienen sind, in einer Linksammlung zusammengestellt.
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