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Schweiz erwägt Abhörmaßnahmen bei VoIP

11.10.2006 | 12:47 Uhr |

Trojanische Pferde sollen heimlich auf den Computern verdächtiger Personen installiert werden, die Gespräche aufzeichnen und die Daten anschließend unauffällig übermitteln.

Das Abhören von Internet-Telefonaten (VoIP) ist technisch nicht so einfach wie beim Festnetz, da die Gesprächsdaten oft verschlüsselt ausgetauscht werden. Die Schweizer Behörden prüfen daher den Einsatz von Spionageprogrammen, wie die " Sonntagszeitung " in Zürich berichtet.

Dazu sollen Trojanische Pferde heimlich auf den Rechnern der abzuhörenden Personen installiert werden. Dies könnte durch eine verdeckte Aktion der Polizei vor Ort geschehen (lokale Installation). Mit weniger Aufwand verbunden wäre eine heimliche Übertragung durch den jeweiligen Internet-Provider im normalen Datenstrom. Die Software-Wanzen sollen die Gespräche aufzeichnen und die Audiodaten in kleinen Paketen unauffällig an die Behörden übertragen.

Ein Schweizer Unternehmen hat bereits eine derartige Überwachungssoftware entwickelt, die weder von Antivirus-Programmen noch von Firewalls erkannt werden soll. Sie soll ausschließlich an Behörden verkauft werden. Der finnische Antivirus-Hersteller F-Secure hat bereits angekündigt , dass die Erkennung solcher Programme gegebenenfalls in seinen Produkte enthalten sein würde.

Neben der technischen Machbarkeit prüfen die Schweizer Behörden derzeit auch noch die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Einsatz derartiger Spionageprogramme. Hinzu kommt, dass die Internet-Telefonie in den Fernmeldegesetzen bislang nicht geregelt ist. Die Erfordernis einer richterlichen Anordnung besteht jedoch auch bei solchen Überwachungsmaßnahmen.

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