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Spielt Apple Big Brother beim iPhone?

08.08.2008 | 13:15 Uhr |

Ein verdächtiger Link in der iPhone Firmware 2.0 sorgt für Aufruhr unter Programmierern. Er deutet darauf hin, dass Apple Anwendungen vom iPhone löschen kann.

Die Entdeckung des unabhängigen iPhone-Entwicklers Jonathan Zdziarski sorgt für gehörigen Wirbel in der Blogosphäre. Bestätigt sich der Verdacht über den Link in der Handy-Firmware, hätte Apple völlige Kontrolle über iPhone-Anwendungen. Das Unternehmen könnte unerwünschte Programme auf dem Handy im Handumdrehen löschen.

Big-Brother-Gerüchte um Apple in puncto iPhone gibt es seit Wochen. Der Grund: Einige Programme wurden kommentarlos aus dem App Store entfernt. Die nun entdeckte iPhone-Löschfunktion spielt jedoch in einer anderen Liga. Apple soll die Funktion angeblich per Fernzugriff aktivieren und jederzeit Anwendungen von einem iPhone löschen können.

Bislang wurden drei Anwendungen aus dem iTunes App Store genommen: Das Programm Netshare, mit dem sich das iPhone für den Internetzugang mit Notebooks nutzen lässt, der Filmkatalog Box Office sowie die völlig nutzlose 800-Euro-Software „I am Rich“.

Die mysteriöse Löschfunktion hatte damit allerdings nichts zu tun. Ob dieser sogenannte „Kill-Schalter“ tatsächlich existiert und was er leistet, liegt noch völlig im Dunkeln. Zdziarski gibt auf seiner Website zu, dass er nur darüber spekulieren kann, was der Link bedeutet: „Ob sich die Funktion aktivieren lässt und wie sie arbeitet, wissen wir nicht.“

iPhone-Programmierer überlegen sich trotzdem, ob es sich angesichts Apples Launen lohnt, Software für das Handy zu entwickeln. Harte Arbeit in die Entwicklung eines Programms zu investieren, das per Knopfdruck gelöscht werden kann, erscheint vielen sinnlos.

Bei der Modem-Software Netshare hatte Apple zumindest gute Gründe, sie aus dem App Store zu nehmen: Das Programm verstieß gegen den Dienstleistervertrag mit Apples Mobilfunkpartner AT&T. Weshalb Box Office verschwand, bleibt ein Rätsel – die Software lieferte lediglich Kinoinformationen. „I am Rich“ ging es gestern an den Kragen.

Apples App-Store-Verhalten trübt die ohnehin schlechte Stimmung zwischen dem Unternehmen und Softwareprogrammieren zusätzlich. Die Entwickler empören sich über Apples Geheimhaltungsvereinbarung, durch die sie sich nicht öffentlich untereinander austauschen dürfen. Ihrer Meinung nach leide darunter die Entwicklung neuer Anwendungen. Im Internet gibt es mittlerweile verschiedene Foren zu dem Thema, darunter auch die Seite „ Fucking NDA “.

Derweil verbreiten sich die Gerüchte um den „Kill-Schalter“ ungehindert weiter, ohne dass Apple Stellung dazu nimmt. Einige vertreten die Ansicht, die Löschfunktion soll wie Antivirenprogramme lediglich Malware ausschalten. Andere glauben, Apple sorge mit dem Big-Brother-Schalter dafür, dass nur sauber programmierte, funktionelle Software auf das iPhone gelange .

Zdziarski gibt zu, dass er keine Ahnung hat, was der verdächtige Link in der Firmware zu suchen hat. „Er könnte den dritten Weltkrieg auslösen oder irgendeinen Computer dazu bringen, das Rezept für Buttermilchpfannkuchen auszuspucken. Wir wissen es einfach nicht.“

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