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Schnauze voll: Flash-Cartoon-Site Ballz.de macht dicht

23.08.2005 | 16:16 Uhr |

Die Flash-Cartoon-Website Ballz.de hat ihre Pforten geschlossen. Als Grund geben die Betreiber der Website an, dass sie mit ihren an sich harmlosen Cartoons ständig Ärger gehabt hätten. Vor allem mit "geldgeilen Anwälten" und "der Musikindustrie".

Der Betreiber von Ballz.de war Anfang des Jahres mit Sony aneinander geraten. Auf der Website war ein Flash-Cartoon veröffentlicht worden, in dem ein Musikstück der Künstlerin Annett Louisan vorkam, was wiederum die Anwälte von Sony auf den Plan rief ( wir berichteten ).

Auf der Flash-Cartoon-Seite gab es in der Vergangenheit allerhand witziger Filme zu betrachten. Jetzt hat der Betreiber aber, auf Deutsch gesagt, die Schnauze voll und hat seine Seite dicht gemacht.

"Warum? Weil es mir reicht, mit meinen harmlosen Cartoons ständig Ärger zu haben. Sei es mit geldgeilen Anwälten, der Musikindustrie oder sonstigen Parteien", so der Betreiber der Site, Stefan Horn, in dem Abschiedsbrief an die Besucher der Seite. Horn wolle nicht jedes Mal "drei Anwälte und fünf Firmen kontaktieren" müssen, bevor er eine Idee verwirklichen kann. Das alles verderbe ihm den "Spaß an der Sache".

Weiter heißt es: "Die GEMA wird demnächst mit einer immensen Forderung vor meiner Tür stehen, keine Ahnung wie hoch die sein wird... und wie ich das bezahlen werde, aber who cares... die werd ich einfach mit meinen Milliardengewinnen, die ich durch ballz.de erwirtschaftet habe bezahlen... ja ne is klar..."

Freie Kunst scheine in Deutschland nicht erwünscht zu sein oder werde einem unendlich schwer gemacht, so Horn. Immerhin wird angedeutet, dass Ballz.de eventuell in einer neuen Form irgendwann wieder ans Netz gehen könnte. Die letzten Grüße an die Community: "Haut rein, ihr freundlichen Fucker! Das wars erstmal von mir. Wir sehen uns, irgendwann irgendwo! Lasst euch nicht verarschen, von niemandem."

Die Zeiten für alle, die im Internet publizieren sind hart. Ein falscher Link kann zu einer (mitunter teuren) Abmahnung führen. Den Zorn der Musikindustrie mussten erst letzte Woche die Kollegen von 3D-Center spüren, die von der Münchner Rechtsanwaltkanzlei Waldort (nicht kostenpflichtig) abgemahnt wurden, weil im Archiv der Website, genauer in einer Meldung Ende 2004, ein Link entdeckt wurde, der zum russischen Online-Musikshop Allofmp3 führte. Genauere Details sind diesem Anwaltsschreiben zu entnehmen, das dem Website-Betreiber zuging.

Erst im Juli hatte der deutsche Musikverband IFPI eine einstweilige Verfügung gegen Allofmp3 erwirkt ( wir berichteten ). Den Link zum Shop zu veröffentlichen ist seitdem ein riskantes Unterfangen und in diesem Blog-Eintrag taten wir auch unseren Unmut kund. Derzeit beschäftigt der Fall noch die Gerichte. Sie werden klären, ob verlinkt werden darf.

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