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Berlusconi gegen Murdoch

07.06.2009 | 14:29 Uhr |

Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi ist derzeit vor allem wegen seinem unklaren Verhältnis zu minderjährigen Mädchen in den Schlagzeilen. Dass die Berichterstattung der internationalen Medienwelt ihn dabei in der Regel nicht unbedingt in ein gutes Licht stellt, hat den Regierungschef Italiens nun veranlasst, in die mediale Gegenoffensive zu gehen.

So hat Berlusconi sich laut Guardian-Bericht erst kürzlich in einem Interview mit dem TV-Sender Canale 5, der sich im Eigentum seiner Mediaset-Gruppe befindet, darüber beschwert, dass ausländische Medien regelrecht Jagd auf ihn machen würden. Insbesondere Medien des australischen Medientycoons Rupert Murdoch warf der umstrittene Politiker vor, sein Image in der Öffentlichkeit zerstören zu wollen. Als Beispiel verwies Berlusconi auf eine Reihe von Zeitungsartikeln der britischen Times , die Teil der News Corporation Murdochs sind, und ihn als"chauvinistischen Blödmann" darstellen.

Im Zentrum der Aufregung stehen vor allem Anspielungen auf das private Liebesleben des italienischen Politikers und Medienzars. "Wenn der Kaiser keine Kleider hat, wird in die Geschichte bloßstellen", lautete etwa die Überschrift eines vor kurzem erschienenen Times-Artikels, der auf die zweifelhafte Freundschaft Berlusconis mit einem angehenden Teenager-Model anspielt. Die Autorin Mary Beard vergleicht Italiens Premier darin mit dem dekadenten römischen Herrscher Tiberius, der Beard zufolge in erster Linie für seine sexuellen Eskapaden und die Kunst, diese totzuschweigen, berüchtigt gewesen sei. In einem weiteren Leitartikel werden Berlusconi "mutmaßliche Frauengeschichten" und "unpassendes Verhalten" vorgeworfen. "Der widerlichste Aspekt von Silvio Berlusconis Verhalten ist aber nicht, dass er ein chauvinistischer Blödmann ist. Auch nicht, dass er mit Frauen herumtollt, die über 50 Jahre jünger sind als er und seine Position dazu missbraucht, sie mit Modeljobs oder ähnlichen absurden Angeboten zu ködern. Am schlimmsten ist die völlige Geringschätzung, mit der er das italienische Volk behandelt", heißt es in dem Times-Beitrag.

Laut Berlusconi seien die Hintergründe der überaus kritischen Berichterstattung in dem News-Corporation-Medium vordergründig politischer Natur. So steckt die italienische Regierung gegenwärtig in einer heftigen Auseinandersetzung mit dem Medienkonzern Murdochs. Ausschlaggebend hierfür ist die im Herbst vergangenen Jahres von Regierungsseite durchgeführte Erhöhung der Besteuerung aller Pay-TV-Unternehmen, die im Land tätig sind, von zehn auf 20 Prozent. Da Murdoch mit seiner Firma Sky Italia zurzeit 90 Prozent des entsprechenden Marktes in Italien beherrscht, hat ihn dieser Vorstoß Berlusconis hart getroffen. Dieser kontrolliert über seine Mediaset-Gruppe, die drei verschiedene Fernsehkanäle umfasst, den terrestrischen TV-Markt, der mit den kostenpflichtigen Premium-Angeboten um die Gunst der Zuseher in Italien kämpft. (pte)

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