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Schärfere Gesetze gegen Privatkopien gefordert

17.07.2001 | 12:05 Uhr |

Der Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft fordert restriktivere Regeln im Zusammenhang mit privaten Musik-Kopien. Der Verband stützt die Forderung auf eine aktuelle Untersuchung der GfK, nach der der Industrie durch kopierte CDs theoretisch jährlich rund 3,3 Milliarden Mark entgehen.

Der Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft (IFPI) fordert restriktivere Regeln im Zusammenhang mit privaten Musik-Kopien. Der Verband stützt die Forderung auf eine aktuelle Untersuchung der GfK nach der der Industrie durch kopierte CDs theoretisch jährlich rund 3,3 Milliarden Mark entgehen.

Den Ergebnissen der Studie zufolge wurden im vergangenen Jahr 133 Millionen Musik-CDs gebrannt und 316 Millionen Titel aus dem Internet heruntergeladen. Die Schadenssumme von 3,3 Milliarden Mark ergibt sich allerdings nur dann, wenn jeder einzelne Titel legal erworben worden wäre.

Der Verband sieht in der steigenden Zahl von gebrannter Musik und illegalen Downloads das wirtschaftlich größte Problem der Musikindustrie. "Nach der Umsatzentwicklung des letzten Jahres von -2,2 Prozent ist bereits jetzt erkennbar, dass sich dieser Trend im laufenden Jahr verstärkt fortsetzt", erklärt Peter Zombik, Geschäftsführer der Deutschen Landesgruppe der IFPI.

Diese Aussage wird von der Untersuchung gestützt, da 14,6 Prozent der Befragten angaben, weniger CDs zu kaufen, seit sie diese brennen können. Lediglich 4,3 Prozent der Interviewten gaben an, im gleichen Zeitraum mehr CDs zu gekauft zu haben.

Musik aus dem Internet heruntergeladen haben der Untersuchung zufolge 4,1 Millionen Deutsche. Insgesamt wurden 316 Millionen Titel gesaugt, hiervon entfielen 228 Millionen auf Tauschbörsen a la Napster oder Gnutella. Für den Großteil der Nutzer war das Argument "umsonst" ein Hauptkriterium für den - illegalen - Download (81 Prozent).

Allerdings gaben 68 Prozent an, im Internet interessante, neue Musikrichtungen zu finden und weitere 65 Prozent gaben an, im Netz eine größere Auswahl an Interpreten und Musikrichtungen zu finden, als im Handel.

Jeweils 56 Prozent der Anwender nutzen das Internet, um Titel zu bekommen, die im Handel gar nicht mehr erhältlich sind, beziehungsweise begründen ihr Verhalten mit den zu hohen Preisen für Musik-CDs.

"Gegen massenhaften Musikdiebstahl wehren wir uns mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln", kündigt Peter Zombik an. Weiter fordert er eine Vergütung auf CD-Brenner für Textdichter, Komponisten, Musiker und Tonträgerhersteller sowie eine verschärfte Gangart des Gesetzgebers.

"Wir fordern die Bundesregierung auf, die legale Privatkopie deutlich einzuschränken, um dem erkennbaren Raubbau Einhalt zu gebieten. Die Vielfalt der nationalen Musikkultur hängt wesentlich davon ab, dass Musik auch gekauft wird. Ohne Bezahlung können auch Künstler nicht von Ihrer Kunst leben", betont Peter Zombik.

Interessant ist hingegen, dass der Großteil der befragten Nutzer sich über die - mittlerweile eher scheintote - Tauschbörse Napster versorgt hat. Bleibt abzuwarten, inwiefern sich das Sterben der Börse auf die nächste Umfrage der GfK auswirken wird. Sollte die Zahl der Downloads zurückgehen und die Musikindustrie weiter mit Umsatzeinbußen zu kämpfen haben, könnte das Problem vielleicht auch an einer anderen Stelle sitzen.

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