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Samsung soll zwei IFA-Blogger erpresst haben

04.09.2012 | 10:10 Uhr |

Zwei Blogger aus Indien sollen von Samsung erpresst worden sein – entweder ziehen sie die Samsung-Uniform an oder sie bekommen die Rückreise nicht bezahlt.

Als Teilnehmer an Samsungs „Mobiler“-Programm hat der Galaxy-Hersteller unter anderem zwei indische Blogger auf die IFA nach Berlin eingeladen. Als Samsung Mobiler dürfen Blogger die neuesten Samsung-Produkte zu einem sehr frühen Zeitpunkt anschauen und darüber schreiben. Einer der beiden, Clinton Jeff, hat eigenen Aussagen zufolge gegenüber Samsung klar gemacht, dass sie unabhängige Blogger seien und keine Markenbotschafter von Samsung sein wollen. Trotzdem seien sie eingeladen worden. Der Blogger sei sogar gefragt worden, ob er als Reporter oder als Promoter auftreten wolle. Er sagt, dass er sich für den Reporter entschieden habe.
 
Er habe sich dann aber schon gewundert, dass Samsung nach seiner Kleidungsgröße gefragt habe. Auf Nachfrage, so Clinton Jeff, sei ihm aber mitgeteilt worden, dass es nur um eine Uniform für eine geschlossene Veranstaltung gehe. Der Webseite thenextweb.com habe er gesagt, dass die beiden Blogger auf einem Samsung-Event auch vor der Kamera tanzen sollten. Er habe es für eine „fun activity“ gehalten. Im Hotel angekommen wartete die nächste Überraschung auf die Blogger aus Indien – angeblich sei ihnen ein Samsung-Shirt überreicht worden, dass sie am nächsten Morgen zur „Orientierung“ zu tragen hätten. Danach mussten sie eine Schweigevereinbarung über die zu sehenden Produkte unterzeichnen. Sie durften also nicht vorab von den neuen Samsung-Geräten berichten. Am nächsten Tag um acht Uhr morgens soll den beiden dann mitgeteilt worden sein, dass sie jeden Tag in Samsung-Kleidung vor dem Stand zu stehen hätten und die Produkte der Presse zeigen sollten.
 
Clinton Jeff habe sich daraufhin geweigert, erzählt er thenextweb.com. Sie seien zur Messe gekommen um über Samsung, aber auch über andere Hersteller zu berichten. Samsung Indien habe sie später angerufen und gedroht, dass sie sich das Rückflugticket selbst kaufen müssten, wenn sie nicht teilnähmen. Während eines zweiten Anrufs soll "Samsung Indien" den Bloggern gesagt haben, dass ihr Rückflug vom 6. auf den 1. vorverlegt worden sei. Die Bedingung sei, dass man mitspiele und nicht von dem Vorfall berichte. Clinton Jeff willigte ein, denn – so formuliert es thenextweb.com – „wir Blogger schwimmen nicht gerade im Geld“.

Anmerkung der Redaktion: Es ist durchaus keine unübliche Praxis, dass Blogger von Firmen eingeladen werden und ihnen die Spesen gezahlt werden. Im Gegenzug wird eine Berichterstattung auf ihren Blogs erwartet. Nicht nur Samsung verfährt so.
 
Die Blogger beklagen sich, dass sie im Endeffekt nur auf Samsung-Events gewesen seien und keine Zeit für andere IFA-Stände gehabt hätten. Am Ende habe sich Nokia gemeldet und den beiden angeboten, ihnen Rückflugtickets zu kaufen, tweetet Clinton Jeff. Samsung hat sich laut thenextweb.com entschuldigt. Die Koreaner erklären, dass „Samsung Mobilers“ eine freiwillige Community sei und zu dort zu nichts gezwungen werde. Es tue Samsung leid, dass es zu einem Missverständnis gekommen sei. Clinton Jeff sei offensichtlich nicht richtig über die Aktivitäten der „Samsung Mobilers“ auf der IFA informiert worden. Man respektiere die Unabhängigkeit der Blogger, sagt Samsung.

 
 

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