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Software als Dienstleistung wird entdeckt

08.09.2008 | 10:01 Uhr |

Software as a Service (SaaS) bietet viele Vorteile und hat deswegen Erfolg. Doch noch gehen die traditionell skeptischen Europäer eher vorsichtig mit der Sache um.

Was bis noch vor einigen Jahren nur ein Schlagwort war, mausert sich langsam zu einem richtigen Markt. Die Marktforscher von Saugatuck Technology prognostizieren, dass bis Ende dieses Jahres 40 Prozent aller Unternehmen weltweit mindestens eine Software zur Miete im Einsatz haben werden. Bis Ende des Jahrzehnts soll dieser Anteil auf 65 Prozent ansteigen, in den USA sogar auf 75 Prozent.

Die Vorteile aus Sicht der Anwender liegen auf der Hand: Da wären zunächst die Preise, die in der Regel günstig sind und eine hohe Transparenz bieten. Ein Office-Paket wie Google Apps zum Beispiel, mit Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und E-Mail, kostet 50 Dollar pro Anwender im Jahr. Datensicherung mit Amazons Simple Storage Service (S3) beläuft sich auf 15 Cent pro Gigabyte im Monat.

Vorteilhaft wirken sich natürlich auch der Verzicht auf eigene Ressourcen für den Betrieb und die Verwaltung sowie die Tatsache, dass die Einführung einer Software schnell und ohne hohe Vorlaufkosten geschehen kann. "Es rechnet sich, dass wir für die bislang genutzten Services den Infrastrukturbetrieb nicht vorhalten und uns nicht um Installation und Wartung kümmern müssen", betont Torsten Moeller, Bereichsleiter Entwicklung bei der Versicherungsgruppe Deutscher Ring. Sein Unternehmen führt Bonitätsprüfungen und die Überprüfung postalischer Adressen als Dienstleistung durch.

Noch ein Umstand kommt SaaS zugute: In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit ist es weniger riskant, eine Software einfach zu mieten statt sie sich ins Haus zu holen. "Mit dem Mietmodell können Anwender ihre kurzfristigen Ausgaben senken, Anwendungen im Vorfeld testen und einen Großteil des Investitionsrisikos auf den Provider abwälzen", erklärt Liz Herbert, Analystin bei Forrester Research. Kein Wunder also, dass sich immer mehr SaaS-Anbieter auf dem Markt tummeln.

Bedenken hinsichtlich Datenschutz

Allerdings haben es so manche Anbieter momentan trotz booomenden Geschäfte nicht einfach. Insbesondere der Datenschutz ist in Europa ein sehr komplexes Thema, da jedes Land seine eigenen Bestimmungen hat und diese berücksichtigt werden müssen. Dabei fällt Marktexperten auf, dass das Problem mit dem Umgang personenbezogener Daten eher auf der emotionalen als auf der sachlichen Ebene liegt. Dennoch muss es überwunden werden: "Die Datenschutz-Problematik ist mit Abstand das größte Hindernis für das Wachstum des Hosting- und SaaS-Markts", mahnt beispielsweise Nick Sharma, Senior Vice President Managed Services beim indischen IT-Dienstleister Satyam.

Bill McNee, Chef von Saugatuck Technology, sieht es hingegen etwas gelassener. Solche Bedenken habe es immer gegeben und wird es immer geben. Und deutsche Anwender seien traditionell besonders vorsichtig. "Aber auch sie werden erkennen, dass sie ihre IT-Sicherheit durch SaaS sogar erhöhen können, weil die Provider darauf spezialisiert sind", glaubt der Experte. Thorsten Moeller vom Deutschen Ring sieht die Sache eher pragmatisch. Bei der Wahl des künftigen Dienstleisters müsse eben geprüft werden, ob die Datenschutz- und Security-Anforderungen eingehalten werden können.

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