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SMS-Terror aus dem Netz

22.03.2001 | 11:54 Uhr |

SMS Nachrichten sind ungeheuer beliebt - inzwischen auch bei Kriminellen. Sexuelle Nötigung, Morddrohungen, Drogenhandel - immer mehr schwarze Schafe nutzen die neue Kommunikationstechnik. Unerbetene Reklame ist da noch das kleinste Übel.

SMS Nachrichten sind ungeheuer beliebt - inzwischen auch bei Kriminellen. Sexuelle Nötigung, Morddrohungen, Drogenhandel - seit man die Botschaften anonym per Internet an Handys verschicken kann, nutzen immer mehr schwarze Schafe die neue Kommunikationstechnik. Unerbetene Reklame ist da noch das kleinste Übel.

Rund 1,5 Millionen SMS pro Woche verschickt die Düsseldorfer Firma Netzquadrat per Internet. Mit dem immensen Erfolg des Angebots meldet sich auch immer öfter die Polizei: Mehr als 1000 Anfragen von Ermittlern aus dem ganzen Bundesgebiet hat Geschäftsführer Tim Mois bereits gezählt. Weil sich die Absender der Internet-SMS anonym glauben, lassen manche alle Hemmungen fallen.

Immer öfter erstatten die Empfänger solcher Sudel-Botschaften Strafanzeige. "Das hat eine neue Qualität bekommen", bestätigt auch ein Sprecher der Düsseldorfer Polizei. "In letzter Zeit ist das richtig massiv geworden. Ich habe den Eindruck, das löst den klassischen anonymen Anrufer ab", berichtet auch Oberkommissarin Kirsten Sprey, die in Düsseldorf auf Sexualstraftaten spezialisiert ist.

Bundesweite Zahlen über den kriminellen Missbrauch gibt es nicht, aber: "Ein Mitarbeiter beschäftigt sich inzwischen halbtags nur mit Polizeianfragen, und es nimmt rapide zu", so Internet-Unternehmer Mois.

Meist geht es bei den Anfragen um Beleidigungen und Drohungen. "Verrecke du Schlampe", "Ich schneid' dir die Kehle durch", sind da fast noch harmlose Varianten. Hin und wieder erreicht der SMS-Terror erschreckendes Ausmaß: "Ein Schüler hat sich nicht mehr in die Schule getraut. In einem anderen Fall hat ein junges Mädchen Dutzende sexuelle Beschimpfungen per SMS bekommen und war danach selbstmordgefährdet. So etwas nimmt einen auch hier im Büro ganz schön mit", berichtet Mois. "Einmal meldete sich sogar ein Entführer per SMS, die Polizei rief hektisch hier an."

Auch Drogenhändler nutzten die neue Technik, weil sie sich anonym glauben. "Aber das stimmt nicht, wir können die Absender fast immer ermitteln", sagt Mois. Die Prozedur dauert allerdings in der Regel einige Wochen, denn neben dem SMS-Serviceanbieter muss auch der Internet-Provider des Absenders und die Regulierungsbehörde für Telekommunikation in Bonn eingeschaltet werden. Den Rest erledigt dann die Polizei.

Was die meisten Internet-SMS-Versender nicht wissen: Den Botschaften wird eine individuelle IP-Adresse (siehe Glossar) zugewiesen. Mit Datum, Uhrzeit und Adressat kann dann der Anschluss ermittelt werden, an dem der Computer des Bösewichts hängt. (PC-WELT, 22.03.2001, dpa/ ml)

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