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Schuldenfalle für Verbraucher

02.02.2009 | 14:19 Uhr |

Während Kredite per SMS hierzulande ein weitgehend unbekanntes Phänomen darstellen, tappen immer mehr Verbraucher in den Ländern Nordeuropas und Skandinaviens in die Schuldenfalle. Anbieter des fragwürdigen Geschäftsmodells mit teuren Spontan- und Sofortkrediten nutzen die einfache und unkomplizierte Abwicklung via Handy.

Mobil und in den meisten Fällen während des Einkaufs geordert, sind besonders jugendliche Konsumenten gefährdet, sich unüberlegt zu verschulden. Innerhalb weniger Minuten können Kredite in der Höhe von meist rund 1600 Euro ohne jegliche Überprüfung der Kreditwürdigkeit per SMS bestellt werden. Angesichts der kurzen Laufzeit von üblicherweise einem Monat missachten viele Konsumenten die enorm hohen Zinsen von in der Regel rund 30 Prozent. Auf ein Jahr hochgerechnet liegen die Zinssätze der SMS-Kredite dabei jedoch bei 1000 bis 1600 Prozent.

"In Deutschland ist der Abschluss von Kreditverträgen per SMS nicht vorstellbar, zumal sie grob rechts- und sogar sittenwidrig wären", meint die Verbraucherzentrale Hamburg auf Anfrage von pressetext. Paragraph 492, Absatz eins des Bürgerlichen Gesetzbuches zufolge sind "Verbraucherdarlehensverträge, soweit nicht eine strengere Form vorgeschrieben ist, schriftlich abzuschließen." Zudem ist ein Vertragsabschluss in elektronischer Form ausgeschlossen, weshalb Kreditverträge auf Papier vereinbart werden müssen. "Damit wären SMS-Kredite hierzulande formwidrig. Davon abgesehen sind die enormen Zinssätze wucherisch und daher sittenwidrig", erklärt eine Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale im Gespräch mit pressetext.

Bankgeschäfte auf dem Mobiltelefon zu erledigen gehört in vielen Staaten anders als in Deutschland bereits zum Usus. Dabei dient das Handy auch als bargeldloses Zahlungsmittel. Zwar versucht Schweden, den Spontankrediten per SMS seit Beginn des Vorjahres einen Riegel vorzuschieben, indem die Minutenkreditvermittlung untersagt und mit einer Auszahlungsfrist von zumindest einem Tag belegt wurde. In Ländern wie Finnland, Estland oder den Niederlanden sind SMS-Kredite jedoch weiterhin üblich, obwohl sich die Behörden der Problematik bewusst sind. Wie der Spiegel berichtet, kam etwa die finnische Finanzaufsicht FIN-FSA bereits 2006 zu dem Schluss, dass mit den SMS-Krediten ein neuartiges Problem entstanden ist.

Den größten Boom verzeichnet das Geschäft derzeit in Estland. Über zehn Firmen fungieren mit einem Kreditvolumen von bis zu 64 Mio. Euro jährlich als Anbieter. Marktführer SMS Laen berichtete zwar bereits über ernsthafte Probleme seiner Kunden mit der Rückzahlung ihrer Schuldlast. Dennoch könnten sich die Unternehmen über eine "gute Auftragslage" in der Branche freuen. Ihnen zufolge seien die Angebote berechtigt, um "unvorhergesehene Engpässe" zu überbrücken. (pte)

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