SCHUFALab@HPI
Schufa will mit Facebook-Daten bewerten (UPDATE)
Der Plan der Schufa, künftig auch Benutzerdaten aus dem Internet, beispielsweise von Facebook, zur Bewertung der Kreditwürdigkeit eines Kreditnehmers heranzuziehen, hat heftigen Protest hervorgerufen.
Die Schufa hat vor kurzem das Internet und dort vor allem soziale Netzwerke wie Facebook als neue Informationsquelle entdeckt. Und das Hasso-Plattner-Institut der Universität Potsdam (HPI) beauftragt, im Rahmen des Projektes "SCHUFALab@HPI" Vorschläge dafür zu entwickeln, wie die Schufa Facebook & Co für ihre Datensammlung verwenden kann.
Update: Das Hasso-Plattner-Institut hat am Freitag die Zusammenarbeit mit der Schufa gekündigt. Dazu schreibt das Institut auf seiner Website: „Aufgrund einiger Missverständnisse in der Öffentlichkeit bezüglich des Forschungsansatzes, 'sei eine unbelastete Forschung nicht mehr möglich'“. Ob sich die Schufa nun einen andern Partner suchen wird, ist noch nicht bekannt.
So sollen beispielsweise die Facebook-Kontakte einer überprüften Person untersucht werden. Aus dessen sozialen Umfeld, seinen Facebook-Kontakten (eher zweifelhafte, wenig zahlungskräftige Erscheinungen oder solvente, erfolgreich im Beruf stehende Freunde?) und seinen Mitteilungen an die Öffentlichkeit kann die Schufa dann Erkenntnisse über dessen Kreditwürdigkeit ziehen. Die Schufa betont dabei, dass nur Daten, die auf Facebook frei für alle einsehbar veröffentlicht werden, zur Datenerfassung herangezogen werden sollen. Neben Facebook könnten auch Daten von Twitter und von Personensuchmaschinen wie Yasni, aber auch Informationen von Google Streetview (wohnt der Kreditnehmer in einer guten Gegend oder doch in einem Haus, bei dem der Außenputz schon abbröckelt?) ausgewertet werden.
Die Schufa verteidigt ihr Vorgehen: „Ziel des Projektes ist die Analyse und Erforschung von Daten aus dem Web. Forschungsschwerpunkte sind einerseits die Validität von Daten und anderseits Technologien zur Gewinnung von Daten. Bereits heute werden über das Web erfolgreich Daten gewonnen, beispielsweise bei Insolvenzverfahren oder Informationen aus dem Handelsregister.“ Das Forschungsprojekt "SCHUFALab@HPI" ist laut Schufa auf drei Jahre angelegt. Die Ergebnisse sollen im Anschluss der Öffentlichkeit vorgestellt werden.
Proteste aus der Politik und vom Datenschutzbeauftragten
Kaum war der Plan der Schufa bekannt geworden, hagelte es Proteste von allen Seiten. Insbesondere Politiker versuchten sich sofort medienwirksam als Verteidiger des Datenschutzes zu profilieren. Bundesverbraucherschutz-Ministerin Ilse Aigner hatte sich in der Vergangenheit schon bei den Themen Facebook und Google Street View als vehemente Datenschützerin hervorgetan. Aigner nahm diesen Ball sofort auf und kritisierte den Plan der Schufa heftig. Sie verlangte, dass sich die Schufa nicht zum Big Brother des Wirtschaftslebens machen dürfe. Auch Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger protestierte dagegen, dass „Facebook-Freunde und Vorlieben“ darüber entscheiden, ob man einen Handyvertrag abschließen darf oder nicht.
Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar nannte den Plan der Schufa in einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt als Beispiel dafür, wie „Daten aus Facebook ohne Wissen der Betroffenen ausgeforscht und zu Geld gemacht werden können".
Tipp: Nutzen Sie die Einstellmöglichkeiten von Facebook
Der Plan der Schufa beweist aber wieder, wie wichtig es ist, dass man erstens nur nach sorgfältigen Abwägen Informationen im Internet über sich veröffentlicht und zweitens diese Daten nach Möglichkeit für einen bestimmten Personenkreis freigibt. Nutzen Sie also die Freigabe-Möglichkeiten bei Facebook sorgfältig.
Das ist die Schufa
Die Schufa (Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung) ist ein Unternehmen, das „kreditrelevante Informationen“ für andere Unternehmen wie Mobilfunk-Provider oder Banken bereitstellt. Mit den Daten der Schufa kann eine Bank also beispielsweise beurteilen, wie kreditwürdig ein Kunde ist, der um einen Kredit nachfragt. Und nach dem Ergebnis dieser Anfrage den Kredit verweigern oder zumindest einen höheren Kreditzins verlangen. Und ein Mobilfunk-Provider kann anhand des Ergebnisses einer Schufa-Anfrage einschätzen, ob der Kunde jeden Monat seinen Mobilfunkvertrag bezahlen kann.
Diese Daten sammelt die Schufa
Derzeit fragen 7000 Vertragspartner wie Banken, Sparkassen und Handelsunternehmen bei der Schufa nach. Die Schufa sammelt für ihre Aufgabe möglichst viele Daten über die in Deutschland lebenden Menschen, sie besitzt nach eigenen Angaben „aktuell 514 Millionen Datensätze von 66,2 Millionen Bürgern.“ So ein Datensatz umfasst laut Schufa „Name, Geburtsdatum und Anschrift“ sowie Auskünfte beispielsweise zu „Girokonten, Kreditkarten, Handyverträgen, Leasingverträgen, Krediten und Versandhandelsgeschäften auf Rechnung“.


10.06.12
Was muß man auch aller Welt alles mögliche über sich mitteilen? Im übrigen, bei der Freundesammelwut vieler Nutzer, was sagen diese schon aus, über das wirkliche, echte Leben einer Person. Und wer sagt denn, daß alle Angaben wahrheitsgemäß oder nicht doch schöngeschummelt sind?
Jaja die "ich-habe-ja-nichts-zu-verbergen-Fraktion"... sie wird sich noch umsehen. Jetzt haben sie grad mal einen Rückzieher gemacht... aber morgen fällt schon wieder jemandem was neues ein.
Antwort schreiben
10.06.12
Wer hat wo einen Rückzieher gemacht?
Die Quatschtanten von Gesichtsblock & Co.?
Wenn man nichts anderes zu bieten hat, als einen IQ unter Zimmertemperatur im Iglu, muß man eben seine Daten öffentlich breitlabern.
Immer und überall.
Antwort schreiben
10.06.12
Jo und da haben wir wieder das Generationsproblem. Die Älteren hauen sich in ihrer Ablehnung gegenseitig auf die Schultern, aber der eigentlichen Zielgruppe ist wie immer völlig wurscht, was die Kukident-Fraktion denkt.
Anstatt alle FB-Nutzer pauschal für minderbemittelt zu erklären, sollten die ach so erfahrenen Senioren einfach mal kapieren, dass sie gar nicht gemeint sind. Wenn ich so allgemein dozieren würde, wie doof doch FB sei, würde ich Blicke ernten wie bei einem Aufklärungsvortrag am Beispiel der Bienchen und Blümchen.
Antwort schreiben
10.06.12
Antwort schreiben
10.06.12
Zitat: chipchap
Freund Schufa und die HPI - weil sie "so" nicht mehr forschen könnten.
Antwort schreiben
10.06.12
Antwort schreiben
10.06.12
Das habe ich mir auch gedacht als ich das gelesen habe.... ;)
Aber mal ehrlich, auf der einen Seite wird Fb in den Himmel gelobt und dann schrecken alle auf wenn es heißt das die Daten heran gezogen werden um jemanden einzuschätzen - das sagt mir doch eindeutig das in Wirklichkeit jeder da nur Müll schreibt.
Ansonsten könnte man sich doch freuen, ich habe nur solvente Freunde, meine Bilder sind von meiner heilen Familie und geschrieben wird nur in erstklassigem Deutsch sowie über intellektuelle Themen - spricht ja alles für eine Kreditvergabe.
Und was ist eigentlich mit denen, über die man im Netz nichts findet? Werden die gleich kriminalisiert, leben die hinterm Mond - sind die kreditwürdig?
Gruß kingjon
Antwort schreiben
10.06.12
was viel interessanter ist: was ist mit leuten bei denen nur namensvetter gefunden werden?
internettechnisch finden sich zu meinem real-namen nur ein paar (hoffentlich kreditwürdige ;)) ärzte...
Antwort schreiben
10.06.12
So ist es wohl bei vielen hier. ;)
Aber die Berechtigung einer Organisation wie der Schufa und deren Datenerlangung sowie der Weitergabe an Banken und andere ist wohl nicht so ganz datenschutzrechlich koscher.
Die letzte Aktion riecht arg nach einer längst vergangenen Schnüffelorganisation zum "Wohle des Volkes" ...
Antwort schreiben
10.06.12
Nachdem ich wenige FB Friends auch aus dem Real Live kenne und die meisten mir persönlich noch nie begegnet sind. Muss ich mir schon wundern über den Plan. Nicht das ich hier der einzige wäre die meisten Nutzer kennen sich nur Virtuell.
Tja nachdem die meisten in meiner Friends list von diversen NGO's sind, naja ich mach es kurz wäre meine Kreditwürdigkeit Wahrscheinlich Null. Aber egal ich bin auf einen Kredit sowieso nicht angewiesen.
Hat womöglich auch Vorteile so werden viele jüngere von der Schuldenfalle (Kredit) abgehalten.
Antwort schreiben
13.06.12
Hallo Freunde,
nach meiner Meinung hat die Schufa das Daten sammeln ofiziell abgesagt.
Aber wer der Meinung ist die Sache sei damit vom Tisch ist hier milde gesagt blauäugig.
Die Instutition Schufa wird auch weiterhin dieses Verfahren vorantreiben wenn auch nicht mehr so offen - so doch verdeckt.
Liebe Grüße
Franz
Antwort schreiben