08.06.2012, 18:23

Hans-Christian Dirscherl

SCHUFALab@HPI

Schufa will mit Facebook-Daten bewerten (UPDATE)

Die Schufa wirbt auf ihrem Internetauftritt um Vertrauen.

Der Plan der Schufa, künftig auch Benutzerdaten aus dem Internet, beispielsweise von Facebook, zur Bewertung der Kreditwürdigkeit eines Kreditnehmers heranzuziehen, hat heftigen Protest hervorgerufen.
Die Schufa hat vor kurzem das Internet und dort vor allem soziale Netzwerke wie Facebook als neue Informationsquelle entdeckt. Und das Hasso-Plattner-Institut der Universität Potsdam (HPI) beauftragt, im Rahmen des Projektes "SCHUFALab@HPI" Vorschläge dafür zu entwickeln, wie die Schufa Facebook & Co für ihre Datensammlung verwenden kann.
Update: Das Hasso-Plattner-Institut hat am Freitag die Zusammenarbeit mit der Schufa gekündigt. Dazu schreibt das Institut auf seiner Website: „Aufgrund einiger Missverständnisse in der Öffentlichkeit bezüglich des Forschungsansatzes, 'sei eine unbelastete Forschung nicht mehr möglich'“. Ob sich die Schufa nun einen andern Partner suchen wird, ist noch nicht bekannt.
So sollen beispielsweise die Facebook-Kontakte einer überprüften Person untersucht werden. Aus dessen sozialen Umfeld, seinen Facebook-Kontakten (eher zweifelhafte, wenig zahlungskräftige Erscheinungen oder solvente, erfolgreich im Beruf stehende Freunde?) und seinen Mitteilungen an die Öffentlichkeit kann die Schufa dann Erkenntnisse über dessen Kreditwürdigkeit ziehen. Die Schufa betont dabei, dass nur Daten, die auf Facebook frei für alle einsehbar veröffentlicht werden, zur Datenerfassung herangezogen werden sollen. Neben Facebook könnten auch Daten von Twitter und von Personensuchmaschinen wie Yasni, aber auch Informationen von Google Streetview (wohnt der Kreditnehmer in einer guten Gegend oder doch in einem Haus, bei dem der Außenputz schon abbröckelt?) ausgewertet werden.
Die Schufa verteidigt ihr Vorgehen: „Ziel des Projektes ist die Analyse und Erforschung von Daten aus dem Web. Forschungsschwerpunkte sind einerseits die Validität von Daten und anderseits Technologien zur Gewinnung von Daten. Bereits heute werden über das Web erfolgreich Daten gewonnen, beispielsweise bei Insolvenzverfahren oder Informationen aus dem Handelsregister.“ Das Forschungsprojekt "SCHUFALab@HPI" ist laut Schufa auf drei Jahre angelegt. Die Ergebnisse sollen im Anschluss der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Proteste aus der Politik und vom Datenschutzbeauftragten

Kaum war der Plan der Schufa bekannt geworden, hagelte es Proteste von allen Seiten. Insbesondere Politiker versuchten sich sofort medienwirksam als Verteidiger des Datenschutzes zu profilieren. Bundesverbraucherschutz-Ministerin Ilse Aigner hatte sich in der Vergangenheit schon bei den Themen Facebook und Google Street View als vehemente Datenschützerin hervorgetan. Aigner nahm diesen Ball sofort auf und kritisierte den Plan der Schufa heftig. Sie verlangte, dass sich die Schufa nicht zum Big Brother des Wirtschaftslebens machen dürfe. Auch Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger protestierte dagegen, dass „Facebook-Freunde und Vorlieben“ darüber entscheiden, ob man einen Handyvertrag abschließen darf oder nicht.
Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar nannte den Plan der Schufa in einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt als Beispiel dafür, wie „Daten aus Facebook ohne Wissen der Betroffenen ausgeforscht und zu Geld gemacht werden können".

Tipp: Nutzen Sie die Einstellmöglichkeiten von Facebook

Der Plan der Schufa beweist aber wieder, wie wichtig es ist, dass man erstens nur nach sorgfältigen Abwägen Informationen im Internet über sich veröffentlicht und zweitens diese Daten nach Möglichkeit für einen bestimmten Personenkreis freigibt. Nutzen Sie also die Freigabe-Möglichkeiten bei Facebook sorgfältig.
Das ist die Schufa
Die Schufa (Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung) ist ein Unternehmen, das „kreditrelevante Informationen“ für andere Unternehmen wie Mobilfunk-Provider oder Banken bereitstellt. Mit den Daten der Schufa kann eine Bank also beispielsweise beurteilen, wie kreditwürdig ein Kunde ist, der um einen Kredit nachfragt. Und nach dem Ergebnis dieser Anfrage den Kredit verweigern oder zumindest einen höheren Kreditzins verlangen. Und ein Mobilfunk-Provider kann anhand des Ergebnisses einer Schufa-Anfrage einschätzen, ob der Kunde jeden Monat seinen Mobilfunkvertrag bezahlen kann.

Diese Daten sammelt die Schufa

Derzeit fragen 7000 Vertragspartner wie Banken, Sparkassen und Handelsunternehmen bei der Schufa nach. Die Schufa sammelt für ihre Aufgabe möglichst viele Daten über die in Deutschland lebenden Menschen, sie besitzt nach eigenen Angaben „aktuell 514 Millionen Datensätze von 66,2 Millionen Bürgern.“ So ein Datensatz umfasst laut Schufa „Name, Geburtsdatum und Anschrift“ sowie Auskünfte beispielsweise zu „Girokonten, Kreditkarten, Handyverträgen, Leasingverträgen, Krediten und Versandhandelsgeschäften auf Rechnung“.
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