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SAP-Manager Agassi sieht IT-Jobs in radikalem Wandel

28.02.2007 | 10:34 Uhr |

In einem Gespräch mit der englischen "Financial Times" hat SAPs Chef der Product and Technology Group, Shai Agassi, seine Visionen entworfen. Demnach stehen IT-Abteilungen vor einem grundlegenden Wandel.

Wer in einer großen IT-Organisation arbeitet, sollte sich auf massive Veränderungen vorbereiten. Das zumindest glaubt SAPs Technologie-Vordenker Shai Agassi. Künftig müssten IT-Experten, vor allem aber Chief Information Officers (CIOs), ganz andere Fähigkeiten mitbringen. Agassi spricht von einer "dritten Welle des Enterprise Computing", in der IT-Systeme so entworfen sein müssen, dass sie sehr schnell auf veränderte Geschäftsprozesse reagieren können. Spezialisten, die solche Systeme designen und pflegen können, brauchen dem SAP-Mann zufolge andere Skills als die gegenwärtig verfügbaren.

Agassi, dessen Entwurf naturgemäß die SOA-Strategie des Softwarekonzerns spiegelt, erwartet, dass künftig die Position eines "Chief Process Innovation Officer" in den Unternehmen besetzt wird. Sein Job werde es sein, sich ganz auf die Unternehmensprozesse zu konzentrieren und darüber nachzudenken, in welchem Ausmaß sie jeweils für die Wettbewerbssituation der Company relevant sind und wo sie geändert werden müssen. Noch gebe es diese Position nahezu nirgends, doch in vielen Firmen werde intensiv darüber nachgedacht.

Hintergrund dieser Überlegung ist die Annahme, dass sich die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen in einigen wenigen Kernprozessen manifestiert. Um aus Systemen, die auf der Basis Service-orientierter Technologien entwickelt wurden, das Maximale herauszuholen, müsse die Rolle des obersten Prozessverantwortlichen vergeben sein.

Die Funktion des Prozess-Verantwortlichen werde wohl an einen neuen Typ von Business-Manager mit hoher Qualifikation in Sachen Prozess-Management vergeben. Laut Agassi bedeutet das keineswegs, dass die Rolle des Chief Information Officer (CIO) im Unternehmen geschwächt werde. "Wie überall im Leben gibt es eine These, eine Antithese und eine Synthese", orakelte der Hobby-Dialektiker. CIOs und "CPIOs" müssten die gleiche Sprache sprechen, wenn sie die Trennung zwischen Business und Technik aufheben wollten.

Laut Agassi werden Service-orientierte Architekturen (SOA) Aufgaben und Organisation innerhalb der IT-Abteilungen verändern. Verglichen mit heutigen prozessspezifischen Systemen wie etwa Customer Relationship Management (CRM) oder Supply Chain Management (SCM) seien künftige anpassungsfähiger und in der Lage, unterschiedliche Funktionseinheiten zu kombinieren. "Vertikale Skills", die sich auf einen bestimmten Teil der Technik konzentrieren, sind laut Agassi out. IT-Profis müssten "horizontales Know-how" haben.

Was das bedeutet, führte der SAP-Manager im Detail aus, indem er vier verschiedene Jobtypen beschrieb, die es seiner Auffassung nach künftig geben wird. Da sei zunächst der "Konsolidierer", der möglichst viel aus den vorhandenen ITK-Ressourcen herausholen und Ressourcen für zukunftsweisende Projekte freischaufeln muss. Dieser Typ von IT-Professional werde daran gemessen, wie viele Systeme er abschalte und nicht, wie viele er neu ausrolle.

Der nächste Typ ist der "Aufseher des Repositorys". Wie ein Bibliothekar soll er sicherstellen, dass alle Unternehmensdaten sowie die Anwendungskomponenten vollständig und korrekt vorgehalten werden. Er sorgt dafür, dass relevante Informationen schnell und jederzeit für den Zugriff bereit stehen. Die Rolle des "Komponisten" ist es, auf der Basis dieser Komponenten neue Prozesse zu designen. Laut Agassi, stellt dieser Typ die größte Gruppe, die künftig unter der Regie eines CIO arbeiten werde.

Als letzte Gruppe nennt Agassi den "Disruptive Innovator". Gemeint sind Visionäre, die Abstand zum Tagesgeschäft haben und dafür bezahlt werden, die Möglichkeiten neuer Technologien auszuloten und Vorhandenes grundsätzlich in Frage stellen könnten. Mit diesen Jobbeschreibungen wandelt Agassi, wie die "Financial Times" feststellt, auf den Spuren des Technologie-Vordenkers Geoff Moore. Er hatte in seinem jüngsten Buch "Dealing with Darwin" drei Typen von Mitarbeitern beschrieben, die neue Produkte oder Services erfinden, anwenden oder optimieren.

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