163736

SACD und DVD-Audio: Das Warten auf den Durchbruch

Bis sich die Vorteile der CD im Vergleich zur Schallplatte herumgesprochen hatten, dauerte es nicht allzu lange. Und auch von der DVD ließen sich viele Konsumenten rasch überzeugen. Schwerer tun sich zwei Formate, die zumindest den Tonträgermarkt aufs Neue umkrempeln sollten: Super Audio CD (SACD) und DVD-Audio führen seit mehreren Jahren ein Schattendasein. Zwar sehen die Musikbranche und auch die Gerätehersteller die Formate, die einen besseren Klang liefern können als die CD, leicht im Aufwind. Doch vor allem neutrale Experten zweifeln daran, dass ihr großer Durchbruch noch kommt.

Theoretisch stimmen die Voraussetzungen: Die SACD und auch die konkurrierende DVD-Audio laufen auf einer ganze Reihe von Geräten. "Unsere DVD-Player ermöglichen oft die SACD-Wiedergabe", sagt Georg Wilde von Philips. Das Unternehmen aus Hamburg hatte das Format gemeinsam mit Sony vorangetrieben. Dagegen war Panasonic einer der DVD-Audio-Vorreiter - und bietet laut Sprecher Peter Weber in Hamburg ebenfalls einige DVD-Spieler mit der nötigen Funktionalität an.

Daneben gibt es seit einiger Zeit so genannte Universalplayer, wie Bernhard Rietschel von der in Stuttgart erscheinenden Zeitschrift "Audio" erklärt. "Sie spielen beide Formate ab und zudem DVD-Video, CD und MP3" - und kosten darüber hinaus mittlerweile kein Vermögen mehr: "Die Preise haben sich zuletzt auf rund 200 Euro für ein gutes Gerät herunter geschraubt." Angeboten werden die Player von Herstellern wie Yamaha, Pioneer oder auch Marantz.

Technisch gesehen lassen SACD und DVD-Audio die "herkömmliche" CD hinter sich. "Man kann mit ihnen höhere Frequenzen darstellen und hat eine höhere Dynamik", erläutert Herbert Noll, Technikexperte bei der Stiftung Warentest in Berlin. Auf DVD-Audio lassen sich zusätzlich zur Musik etwa auch Bilder speichern. Vor allem jedoch machen beide Formate die Mehrkanalwiedergabe - Raumklang - möglich. "Mit CDs funktioniert das nur, wenn sie nach dem "Dolby-Pro-Logic-Verfahren" aufgenommen wurden", wie Noll erklärt.

Doch genau hier beginnt das Problem für die Verbraucher: "Um den Mehrkanalklang wiederzugeben, ist eine Surround-Anlage nötig", sagt Bernhard Rietschel. Für den entsprechenden Receiver plus Boxen werden schnell 1000 Euro fällig, wenn es ein Qualitätsgerät sein soll. Zwar laufen SACD und DVD-Audio auch auf Stereosystemen. Ihren technischen Vorteil können sie dabei allerdings nicht ausspielen: "Wir haben im Stereobetrieb keine Klangunterschiede zur CD feststellen können", sagt Herbert Noll von der Stiftung Warentest.

Hinzu kommt: Die Musiktitel, die in einem der beiden Formate zu haben sind, kosten nicht nur einige Euro mehr als CDs, ihre Auswahl hält sich auch weiter in Grenzen. "In den Läden gibt es vielleicht mal ein Regal von einem halben Meter Breite. Viele Händler haben die Formate gar nicht", sagt Rietschel. In der Internet-Datenbank "Musicline.de", die fast alle in Deutschland erhältlichen Tonträger verzeichnet, fanden sich zuletzt nur etwas mehr als 800 Titel.

"Die großen Musiklabels haben diese Formate bisher nicht richtig unterstützt", sagt Peter Weber von Panasonic. "Das ist nach wie vor ein Markt für Audiophile", räumt Hartmut Spiesecke vom Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft in Berlin ein. Das bedeutet: ein Markt, der sich an die überschaubare Gruppe von Hörern wendet, die besonderen Wert auf sehr guten Klang legt - Jazz-Fans etwa.

Das Gros der Hörer scheint sich an der schmalen Auswahl gar nicht zu stören - und hat offenbar auch mit den Soundbeschränkungen, die andere Formate mit sich bringen, keine Probleme. Nur so ist Bernhard Rietschel zufolge der Erfolg der Download-Portale zu erklären: Die dort angebotene Musik im MP3-Format hinkt beim Klang schon hinter der CD her, die die neuen Formate eigentlich ablösen sollten. "Vielen Kunden reicht die Qualität von MP3s völlig aus", sagt Georg Wilde.

Trotzdem wollen die Hersteller weiterhin Geräte mit SACD- oder DVD-Audio-Funktionalität anbieten. Und die Musikbranche schreibt die Formate ebenfalls nicht ab: "Ihre Käufer sind für uns eine kleine, aber wichtige Zielgruppe", sagt Hartmut Spiesecke vom Phonoverband. Daher werde die Zahl der Titel mit der Zeit steigen. Mit dem großen Durchbruch für eines der Formate scheint er aber dennoch nicht zu rechnen: "Beide sind ja schon eine Weile am Markt, und das spricht eher dagegen."

Diese Ansicht teilt neben Warentester Noll auch Bernhard Rietschel von "Audio". Ohnehin habe zumindest die DVD-Audio bereits eine Weiterentwicklung erfahren: die Dual Disc. "Bei ihr ist auf einer Seite eine CD und auf der anderen eine DVD-Audio - man kann sie je nach vorhandenem Player umdrehen." Sie wird wie die DVD-Audio etwa von Panasonic und auf Tonträgerseite von Labels wie Sony BMG oder Warner Music gefördert. "Möglicherweise kommt dafür der Durchbruch", sagt Rietschel. "Allzu optimistisch bin ich aber auch da nicht."

0 Kommentare zu diesem Artikel
163736