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S60: alles neu: Name, Logo, KHTML-Webbrowser

04.04.2006 | 16:04 Uhr |

Mobiles Webbrowsing kommt langsam aber sicher in Mode. Dank großen Displayauflösungen, schnellen Übertragungstechnologien wie EV-DO und UMTS und leistungsfähigen Prozessoren zum Umrechnen der für Handy-Displays gemeinhin viel zu großen Websites, lassen sich mit vielen Smartphones und Lifestyle-Geräten leicht die unendlichen Weiten des Webs durchforsten. Bis zu 60% des Datenumsatzes würden laut einer Studie bereits mit dem mobilen Websurfen erzielt - weltweit gesehen ein dankbarer Anteil, wenn auch für deutsche Verhältnisse etwas hoch gegriffen.



Bislang setzten S60-Smartphones (Series60 wurde heute offiziell zu S60 umbenannt) auf eine Browsing-Lösung eines Drittanbieters wie Opera oder Netfront. Abhängigkeiten haben dem hinter S60 stehenden Branchenführer Nokia noch nie besonders gut gefallen und so löst man sich nun mit Hilfe einer OpenSource-Entwicklung von ihnen. Allem Anschein nach waren die bestehenden Lösungen für Nokia nicht ausreichend bemessen, sodass man jetzt Früchte des bereits im Juni angekündigten Browsers auf KHTML- bzw. KJS-Basis präsentiert, die auch das Browsing-Erlebnis auf Linux-Rechnern mit KDE oder auf Apples PowerMacs ermöglichen.

Der Browser gehört nach dem Funktionsumfang und dem ersten Eindruck nach zu urteilen zum besten, was es derzeit für mobile Endgeräte gibt. Eine Darstellungs-Engine rendert XHTML oder HTML-Content intern vor und erlaubt anschließend das "Überfliegen" einer Webseite mit Hilfe eines kleinen roten Rahmens. Ein Klick bringt den Nutzer dann zur Vollansicht des Ausschnitts. Eine Small Screen Rendering-Engine, die etwas eigenwillig XHTML-Elemente reinterpretiert und daraus eine displaygerechte Spaltenansicht zusammenzaubert, wird zumindest aus Nokias Sicht überflüssig und ist offenbar auch gar nicht im Browser enthalten.



Das Prerendering brachte die S60-Ingenieure auf ein neues innovatives Feature: die Visual History. Mit ihr lässt es sich übersichtsartig durch bereits besuchte Seiten blättern, die thumbnailartig hintereinanderliegen.

Auch die bereits integrierten Komfortfeatures von KHTML, das eine ähnliche Nutzerführung wie ein Mozilla/Firefox-Browser propagiert, wurden übernommen. So reicht ein einfaches Tippen der ersten Buchstaben eines gesuchten Wortes, um das Wort auf der Site ausfindig zu machen. Mit Hilfe eines Web Feeds-Features werden RSS-Feeds automatisch im Hintergrund geladen und können anschließend nach Quelle sortiert angezeigt werden.

Für die Darstellung von Inhalten steht dem Browser der volle Funktionsumfang der KHTML/Safari-Engine zur Verfügung. Sie kann dynamisches HTML (DHTML) rendern und damit Rollover-Effekte, aufklappbare Menüs und sonstige Skriptaktionen anzeigen, die auf JavaScript und dem XHTML DOM1.0 basieren.

Darüber hinaus gibt's vollen Support für HTML, Cascading Stylesheets und sogar das Vektorgrafikformat SVG-Tiny, das S60 unter anderem zur Darstellung seiner neuen Scalable UI nutzt, um die großen Displayflächen der neuen Engeräte ausfüllen zu können. Damit Werbetreibende das S60-Handy nicht mit nervigen PopUps zukleistern, macht der Browser weiterhin Gebrauch von der in KHTML integrierten PopUp-Blocking-Funktionalität.

Der Browser ist darüber hinaus über eine Plugin-Infrastruktur erweiterbar. So lassen sich ähnlich wie bei Firefox z.B. Flash Lite-Player und Audio-Plugins nachträglich in den Browser integrieren.







Mit der KHTML/Safari-Basis bekennt sich Marktführer Nokia ein weiteres Mal zu offenen Technologien und zur OpenSource-Gemeinde, die über den Einsatz ihres Produkts gelinde gesagt ziemlich begeistert ist. Insbesondere das KDE-Projekt , das seit vielen Jahren eine konkurrenzfähige freie Desktop-Oberfläche für Linux entwickelt sieht in Nokias Entscheidung eine Entschädigung für die vielen Stunden nach Feierabend, die die Programmierer in die Technologie gesteckt haben.

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