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Runder Tisch für Urheberschutz gefordert

16.01.2001 | 11:27 Uhr |

Einen "Runden Tisch" zum Thema Urheberschutz im Internet hat Michael Krüger, Leiter des Münchner Carl Hanser Verlages und Herausgeber der Literaturzeitschrift Akzente, gefordert. Die kürzlich zustande gekommene Kooperation von Bertelsmann mit der Musiktauschbörse Napster kritisierte er scharf.

Einen "Runden Tisch" zum Thema Urheberschutz im Internet hat Michael Krüger, seit 1986 Leiter des renommierten Münchner Carl Hanser Verlages und seit 1981 Herausgeber der Literaturzeitschrift "Akzente", gefordert.

"Das Copyright ist sonst nicht mehr zu halten", befürchtet der 57-jährige Lyriker und Romancier, der zu den engagiertesten und erfolgreichsten Verlegern zeitgenössischer Literatur im deutschsprachigen Raum zählt. Schon heute sei es nicht mehr möglich zu prüfen, wer alles weltweit gegen den Schutz geistigen Eigentums verstoße.

Krüger wurde am Dienstag mit dem Kulturellen Ehrenpreis der Stadt München ausgezeichnet und nutzte diese Gelegenheit, um sich für das Urheberrecht im Internet stark zu machen: "Es gibt viele betroffene Autoren und Künstler, die darüber sehr wütend sind." Vor allem die Politik habe sich bisher kaum zu Wort gemeldet. "Auch im Internet muss es endlich eine Rechtssicherheit geben, auf die sich die Leute berufen können", forderte Krüger, dessen jüngster Roman "Die Cellospielerin" im Herbst vergangenen Jahres erschienen ist.

Große Hoffnungen setzt Krüger auf den neuen Bundeskulturminister Julian Nida-Rümelin, den er bereits aus dessen Zeit als Kulturreferenten in München kennt. "Dieses Thema muss endlich öffentlich diskutiert werden", betonte Krüger. "Sonst wird der Raub geistigen Eigentums zum Gewohnheitsrecht". Wie bei der Buchpreisbindung müsse die Politik endlich "aufwachen" und aktiv werden. Von Nida-Rümelin erwarte er dazu eine bundesweite Initiative in Form eines "Runden Tisches".

Scharfe Kritik übte Krüger an der Verlagsgruppe Bertelsmann, die im vergangenen Jahr mehrheitlich bei der Internet-Musik-Plattform Napster eingestiegen ist. "Der Kauf wird mit dem Ende des Urheberschutzes belohnt." Bertelsmann will aus der kostenlosen Musiktauschbörse ein Abonnentenmodell machen. Da viele der ausgetauschten Musikstücke durch Urheberrechte geschützt sind, hatte die Musikindustrie Napster mit Klagen überzogen. (PC-WELT, 16.01.2001, dpa/ lmd)

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