26902

Roboter serviert Tee auf Rädern

05.03.2007 | 17:55 Uhr |

Während bei uns Roboter im Alltag immer noch ein absolutes Nischendasein führen und allenfalls ein Bericht über den Robocup gewisse Aufmerksamkeit erregt, herrscht in Japan ungleich größerer Enthusiasmus in Bezug auf die künstlichen Mitbewohner. So entwickelten japanische Wissenschaftler einen Roboter, der Tee einschenkt. Sein Kollege serviert das Heissgetränk anschließend auf Rädern.

Zum japanischen Lebensstil gehört das Tee-Trinken, genauer gesagt das Tee-Zeremoniell (mit grünem Tee). Die Japaner stehen zudem dem Phänomen Roboter aufgeschlossen gegenüber. Da ist es für japanische Wissenschaftler ein nahe liegendes Ziel, einen Roboter zu konstruieren, der Tee zubereiten und servieren kann. Genau das haben Forscher der Universität Tokio gemacht.

Die Tokioter Wissenschaftler bauten einen humanoiden Roboter mit Kamera-Augen, der sorgfältig Tee aus einer Kanne in eine Tasse einfüllt. Ein weiterer Roboter servierte die Tasse Tee anschließend in einem Raum, in dem eine Couch stand. Dieses künstliche Serviermädchen bewegte sich auf Rädern fort, wie CNN berichtet.

Mit diesem Experiment wollten die Tokioter Wissenschaftler die Praxistauglichkeit von Robotern in einem modernen Haushalt demonstrieren. Dabei heben sie besonders einen psychologischen Vorteil des Servierroboters gegenüber einem Diener aus Fleisch und Blut hervor: Einen Roboter kann man den ganzen Tag ohne Gewissensbisse herumkommandieren und muss ihm nie für seine Tätigkeit danken. Offensichtlich ist das ein ganz wesentlicher Aspekt für die Forscher, sonst hätten sie ihn in ihren Kommentaren zu dem Experiment nicht so betont. Aus dem CNN-Bericht geht nicht hervor, ob die Tee-Roboter auch mit der nötigen Ruhe zu Werke gehen. Denn die meisten uns bekannten Roboter entwickeln bei der Fortbewegung einen gewissen Lärmpegel (vor allem der Robby CRP5 von Conrad rattert mit einem geradezu infernalischen Lärm durch die Wohnung).

Das Ganze hat aber auch einen durchaus ernsten Hintergrund: Japans Gesellschaft altert immer mehr. Damit wächst die Zahl der japanischen Senioren, die Hilfe im Alltagsleben benötigen. Pflegekräfte aus Fleisch und Blut stehen dafür nicht in ausreichender Zahl zur Verfügung und wären wohl auch kaum zu bezahlen, also sollen Roboter hilfsbedürftigen Japanern in den eigenen vier Wänden zu Diensten sein.

In Japan wurden bereits einige mehr oder weniger alltagstaugliche Roboter konstruiert. Asimo von Honda beispielsweise ist ein humanoider Geselle, der sich auf zwei Beinen fortbewegt, Gegenstände tragen kann und Menschen begrüßt. Papero von NEC kann Personen identifizieren, den aktuellen Wetterbericht herunterrasseln und Nachrichten vorlesen.

0 Kommentare zu diesem Artikel
26902