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Im Einkaufszentrum: Roboter verletzt Kleinkind

18.07.2016 | 10:55 Uhr |

Der Roboter Knightscope hat während seiner Kontrollfahrten in einem Einkaufszentrum ein Kleinkind verletzt.

In der kalifornischen Stadt Palo Alto, wo unter anderem HP und Tesla ihren Konzernsitz haben, schiebt ein Roboter in Menschengröße Wache. Der so genannte Knightscope rollt im Stanford-Shopping-Center über die Flure und Parkplätze und hält nach kritischen Situationen Ausschau. Wird er fündig, so alarmiert er ein Kontrollzentrum. Zusätzlich scannt der Roboter fortlaufend die Nummernschilder von Autos, bis zu 300 Nummernschilder pro Minute laut Hersteller. Deutsche Datenschützer dürften das mit Kopfschütteln zur Kenntnis nehmen.

16 Monate alter Junge verletzt

Nun hat der Knightscope während seiner Wachrunden in dem Einkaufszentrum in Palo Alto einen 16 Monate alten Jungen verletzt. Die Eltern, die wenige Schritte hinter ihrem Kind gingen, sagen laut einem Bericht der Reporterin Lilian Kim, dass der Wach-Roboter den Jungen zunächst umgestoßen habe. Als der Junge dann am Boden lag, fuhr der 135 Kilogramm schwere Knightscope wiederholt in ihn hinein. Der Junge konnte schließlich davonkriechen. Er trug Blutergüsse und Schrammen davon, wie ein auf Twitter veröffentlichtes Foto zeigt.

Hersteller Knightscope hat den Vorfall bestätigt und sich dafür entschuldigt. Allerdings betont das Unternehmen, dass der Roboter versucht habe auszuweichen, als der Junge auf ihn zulief.

Die Betreiber des Einkaufszentrums hat den Einsatz der Roboter bis auf weiteres ausgesetzt. Der genaue Tathergang ist unklar. Nach einigen Medienberichten scheint der kleine Junge den Roboter schlicht übersehen zu haben und sei mit ihm zusammengestoßen und dann zu Boden gestürzt. Danach habe der Roboter den rechten Fuß des Jungen überfahren, sagt die Mutter. Ernsthaft verletzt hat der Roboter den Jungen aber nicht.

Glücklicherweise ist  - im Unterschied zu dem aus dem gleichnamigen Kinofilm bekannten RoboCop - der Knightscope jedoch unbewaffnet. Seine Aufgabe ist nur die Überwachung, nicht aber der Kampf. Falls nötig, kann er einen lauten Alarmton ausstoßen. Und er lässt sich natürlich jederzeit lokalisieren. Der unbewaffnete Roboter soll ferner relativ robust gegen Vandalismus sein, er ist aber nicht schusssicher.

Atlas-Roboter läuft und steht ohne Hilfe auf

Sein Videobild, das der Roboter mit HD-Kameras erstellt, wird in Echtzeit in einer Kontrollzentrale verfolgt, wo die nötigen Maßnahmen eingeleitet werden. Auf den Knightscope kann man auch vom Webbrowser aus zugreifen. Die Datenübertragung zwischen Knightscope und Zentrale ist verschlüsselt. Im Fall des verwundeten Kindes konnte die Zentrale aber offensichtlich nicht schnell genug eingreifen.

Knightscope im Detail

Der Knightscope kann im 360-Gradmodus seine Umgebung erfassen und beispielsweise erkennen, wenn ein Tor aufgebrochen wurde. Er kann außerdem Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftdruck sowie den CO2-Gehalt erfassen. Eine Wärmebildkamera ist ebenfalls eingebaut.

Die Knightscopes in Reih und Glied
Vergrößern Die Knightscopes in Reih und Glied
© Knightscope

Über ein Mikrofon kann der Knightscope mit seiner Umgebung kommunizieren, aber auch verdächtige Geräusche wie zersplitterndes Glas erkennen. In einer kritischen Situation können sich Menschen an den Knightscope um Hilfe wenden.

Wenn dem Knightscope der Strom ausgeht, fährt er selbstständig zu einer Ladestation und lädt seinen Akku wieder auf. Damit soll der Knightscope rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche im Einsatz sein können. Der Knightscope bewegt sich vollautonom und muss nicht gesteuert werden. Dafür besitzt er nicht nur einen GPS-Chip, sondern auch Lidar und Näherungssensoren. Normalerweise bewegt sich der Roboter mit einer Geschwindigkeit von 1 bis 3 Meilen pro Stunde fort, er ist also zwischen 1,6 und 4,8 Stundenkilometer schnell.   

Forscher präsentieren verschluckbaren Roboter

Der Roboter wirkt nicht übertrieben furchteinflößend, kann aber aufgrund seiner Größe nicht übersehen werden und soll so Verbrecher abschrecken. Passanten soll der Roboter selbstständig ausweichen.

Im Vorstand des Startups Knightscope sitzt mit Stacy Dean Stephens ein ehemaliger Polizist. Er sagte dem Guardian vor dem Vorfall, dass der Amoklauf in der Sandy Hookelementary School in Newtown, Connecticut, den Anlass für die Entwicklung von Knightscope gegeben habe. Wäre die Polizei damals nur eine Minute früher am Tatort gewesen, hätten zwölf Menschenleben gerettet werden können. Der Knightscope soll deshalb so früh als möglich Gefahren erkennen und Alarm schlagen.

Knightscope vermietet seinen autonom fahrenden Überwachungsroboter für sieben Dollar pro Stunde, wie der Guardian berichtet. Derzeit ist der Einsatz aber nur im Silicon Valley vorgesehen.

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