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Richtiger Abstand soll vor Elektrosmog schützen

Über den Zusammenhang von Elektrosmog und Gesundheitsschäden gehen die Meinungen von Wissenschaftlern und Geräteherstellern zwar immer noch auseinander. Unbestritten ist aber, dass sich rund um Steckdosen, Kabel und Hausgeräte magnetische Felder ausbreiten. Darüber hinaus geben schnurlose Telefone und drahtlose Netze für den Internetzugang nachweislich Strahlung ab. Als mögliche Folgen werden Kopfschmerzen und Schlafstörungen ebenso genannt wie Krebserkrankungen. Verunsicherte sollten die mögliche Belastung vor allem im Schlafzimmer reduzieren.

"Dass hoch- und niederfrequente Strahlungen auf den menschlichen Körper Auswirkungen haben, ist unumstritten", sagt Hans Ulrich-Raithel vom Umweltinstitut München. Das sei in mehreren wissenschaftlichen Untersuchungen und Studien festgestellt worden. Ungeklärt sei dagegen, ob und in welcher Weise Elektrosmog die Gesundheit gefährden könne. Die Ergebnisse der Untersuchungen würden nach wie vor gegensätzlich interpretiert.

"Um sich sinnvoll vor möglichen Beeinträchtigen zu schützen, muss zwischen verschiedenen Arten von Elektrosmog unterschieden werden", erläutert Dirk Petersen von der Verbraucherzentrale Hamburg. Elektrische Wechselfelder gebe es im Haus in der Nähe elektrischer Leitungen und dort, wo Elektrogeräte an das Stromnetz angeschlossen sind. Dafür müsse gar kein Strom verbraucht werden. Ist dies aber der Fall, entstehen dem Experten zufolge zusätzlich niederfrequente magnetische Felder.

"Im Hochfrequenzbereich treten elektrische oder magnetische Felder stets gemeinsam auf und lassen sich nicht voneinander trennen", fügt Ulrich-Raithel hinzu. Experten sprechen dann von elektromagnetischen Feldern. Sie werden zur drahtlosen Übertragung von Radio- und Fernsehprogrammen, für den Mobilfunk oder in Mikrowellengeräten genutzt. Niederfrequente Felder entstehen in der Regel durch Hochspannungsleitungen, Bahnstromanlagen, Transformatoren oder Mobilfunksender. Auch in den eigenen vier Wänden werden aber solche Felder erzeugt.

Besonders bei der Einrichtung von Schlafplätzen sollte daher auf genügend Abstand geachtet werden, rät Ralf Schmidt-Pleschka, Umweltreferent der Verbraucherinitative in Berlin. Dies sei der beste Schutz. Netzbetriebene Wecker etwa sollten mindestens einen halben Meter vom Kopf entfernt stehen. Außerdem sollte kein "Wirrwarr von Verlängerungskabeln" unter dem Bett liegen. "Auch elektrische Nachtspeicheröfen, die während der Nacht aufladen, sollten nicht in der Nähe des Bettes stehen", warnt Petersen. Von elektrischen Fußbodenheizungen rät der Experte ebenso ab.

Sind solche vorbeugenden Maßnahmen nicht möglich, sind laut Experte Ulrich-Raithel so genannte Netzfreischalter im Stromkreislauf des Schlafzimmers sinnvoll. Sie schalten das Netz ab, solange kein Strom gezapft wird. Im Schlafzimmer dürfe daher kein Gerät stehen, das chronisch Strom verbrauche wie etwa ein Radiowecker. "Der Einbau von Netzfreischaltern ist eine konventionelle Hausinstallation, aber nicht billig", sagt Klaus Jung vom Fachverband für Energie-Marketing und -Anwendung (HEA) in Frankfurt. Aufgrund der relativ schwachen Felder der häuslichen Stromversorgung sei so eine Installation allenfalls für "Elektrosensible" empfehlenswert.

Bei schnurlosen Telefonen sind die Mobilteile offenbar das kleinere Problem. Sie senden bei allen Modellen nur während des Telefonierens. "Die Basisstation hingegen sendet bei den heute üblichen Telefonen nach DECT-Standard permanent", sagt Petersen. Eine Alternative böten so genannte CT1+-Telefone. Bei diesen strahlen sowohl Basisstation als auch Mobilteil nur während der Benutzung. Sie werden dem Experten zufolge aber nur noch selten angeboten und ihre Zulassung laufe Ende 2008 aus.

Neu auf dem Markt sind laut Petersen DECT-Telefone, deren Basis nur noch während des Telefonierens strahlt. Diese Modelle würden allerdings bislang noch nicht in großen Elektrokaufhäusern angeboten, sondern müssten im Internet bestellt werden.

Ungeklärt sind bislang die Wirkungen der so genannten WLAN-Technik. Sie dient etwa der schnurlosen Anbindung von Computern an das Internet. Über die biologische Wirkung dieser unregelmäßig gepulsten Signale gibt es laut Ulrich-Raithel bislang sehr wenige Studien. Verbraucher, die diese Unsicherheit ausschließen wollen, sollten in der Wohnung und am Arbeitsplatz daher ein Kabel benutzen, rät der Experte.

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