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Revenge Porn: Gefälschte Pornos im Web

24.05.2016 | 14:32 Uhr |

Sadistische Zeitgenossen veröffentlichen gefälschte Porno-Aufnahmen im Internet. Oder kapern Webcams und Smart-TVs und filmen heimlich Liebespaare.

Es ist keine neue Masche: Um dem Ex-Partner eins auszuwischen, veröffentlicht man Nackt-Aufnahmen von ihm oder ihr im Internet, besonders auf so genannten Revenge-Porn-Seiten. Normalerweise handelt es sich dabei um Fotos oder Videos, die das Opfer selbst aufgenommen hat beziehungsweise die mit Zustimmung der gefilmten Person aufgenommen wurden. Und die der Übeltäter oder die Übeltäterin gestohlen und ohne Zustimmung der Abgebildeten im Internet veröffentlicht hat.

Gekaperte Webcams und Smart-TVs

Mittlerweile gibt es aber neue Quellen für solche Aufnahmen: Zum Beispiel heimliche Mitschnitte am Smart-TV. Vielfach entstehen die Aufnahmen ohne Wissen des Betroffenen, weil eine manipulierte Webcam oder ein Smart-TV mit Kamera sie heimlich aufnimmt. In einigen wenigen Fällen kam es auch schon vor, dass Smart-TVs oder Webcams über den Internetzugang gekapert wurden und dann Liebespaare vor der Kamera heimlich von Fremden gefilmt wurden.

Bild-Manipulationen

Doch auch wer technisch nicht so versiert ist, kann die Existenzen anderer Menschen mit Porno-Fotos im Web zerstören. Indem man harmlose Fotos mit Hilfe von Bildbearbeitungsprogrammen zu pornographischen Fotos aufmotzt.

So war das laut einem Bericht von Dailymail zum Beispiel bei der Britin Nikki E. der Fall. Die 25 Jahre alte E. bewarb sich bei dem Restaurant-Chef Oliver W. um den Job als Bedienung. E. bekam den Job und ihr Chef verhielt sich der jungen Bedienung gegenüber freundlich und korrekt. Was E. nicht wusste: Ihr Chef, der selbst eine Tochter hat, hat eine dunkle Seite. Er veröffentlichte erotische Aufnahmen von insgesamt 13 Frauen auf einer Webseite, auf die Besucher besonders verstörende sexuelle Vorlieben äußern konnten. Die Frauen wussten nicht nur nichts von den veröffentlichten Fotos, sondern die Aufnahmen waren sogar falsch. Weil W. die eigentlich harmlosen Aufnahmen mit Photoshop bearbeitete.

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Anders als klassische Revenge-Porn-Fälle, bei denen der Ex-Partner echte erotische Aufnahmen des ehemaligen Partners veröffentlicht – und damit gegen das Prinzip der Vertraulichkeit verstößt – waren diese Aufnahmen also gefakt. W. holte sich das zu Grunde liegen Fotomaterial zum Beispiel von Social-Media-Seiten wie Facebook. Im Falle der der Bedienung E., mit der W. nie eine Beziehung hatte, montierte er Aufnahmen von deren Kopf auf die nackten Körper von Porno-Darstellerinnen. Die gerade mit besonders obszönen sexuellen Tätigkeiten beschäftigt waren. Adobe Photoshop lässt grüßen!

W. war besessen von erotischen Gewalt-Phantasien. So veröffentliche er beispielsweise Fotos seiner Ex-Partnerin verbunden mit der Aufforderung, diese zu vergewaltigen. Sogar von seiner eigenen Schwester soll er solche Fotomontagen ins Internet gestellt haben. Auf einigen der Fotos war die Schwester während ihrer Schwangerschaft zu sehen. W. schrieb bei einem anderen seiner Opfer, dass er wolle, dass die Frau vergewaltigt und davon schwanger werde. Danach sollte sie erneut vergewaltigt werden und dabei ihr Kind verlieren.

E. war natürlich geschockt, als sie von den Aufnahmen im Web erfuhr. Zumal W. derbe Texte dazu verfasste, in denen er schrieb, was die abgebildete Dame angeblich für sexuelle Vorlieben habe. Vor allem aber: Eines der manipulierten Fotos zeigte E. zusammen mit ihrer dreijährigen Tochter. In einer gefakten Porno-Situation.

W. veröffentlichte offensichtlich auch Kontaktinformationen zu den Fotos, weil E. bald Nachrichten von Männern bekam, die ihr mitteilten, dass sie sie gerne vergewaltigen würden. Einige der Männer hingen Fotos an ihre Nachrichten, auf denen sie nackt posierten – zusammen mit Fotos von E.

Das Drama ist auch nach Aufdeckung des Falls nicht zu Ende. Weil der Betreiber der Revenge-Porn-Seite sich weigert, die Bilder von E. offline zu nehmen. Der Webseitenbetreiber hat seinen Firmensitz in den USA und ist damit nicht direkt für die britische Polizei greifbar.

Die Polizei nahm W. schließlich fest, nachdem drei Frauen zur Polizei gegangen waren, als sie von “ihren” Fotos im Internet erfahren hatten. Doch W. kam bald wieder auf freien Fuß. Zwischen April und Dezember 2015 erstatteten 1160 Menschen in Großbritannien Anzeige wegen Revenge Porn im weitesten Sinne. Das Durchschnittsalter der Betroffenen war 25 Jahre, in einigen Fällen waren Kinder im Alter von elf Jahren betroffen. In den meisten Fällen werden die Täter nicht ermittelt. Falls doch, so kommen sie oft mit milden Strafen davon.

Tipp: Suchen Sie nach Ihren Fotos

Sie sollten Aufnahmen, auf denen man Sie erkennen kann, auf Facebook und anderen Internetplattformen nie für alle Menschen frei geben, sondern nur für Ihre Freunde. Vor allem aber sollten Sie ab und zu auf spezialisierten Bildersuchen wie Tineye nach Ihren Fotos suchen.

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