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Regulierungsbehörde vor Flatrate-Entscheidung

15.11.2000 | 17:57 Uhr |

Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post entscheidet an diesem Donnerstag über den strittigen Internet-Pauschaltarif.

Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post entscheidet an diesem Donnerstag über den strittigen Internet-Pauschaltarif.

Hintergrund ist die anhaltende Auseinandersetzung zwischen der Deutschen Telekom und den Internet-Diensteanbietern über eine so genannte Flatrate für die Anbindung der Kunden über das Telefonnetz an das Internet. Die Telekom berechnet den Online-Anbietern hierfür derzeit 1,5 Pfennig im Minutentakt.

Auf dieser Grundlage könnte den Endkunden aber kein monatlicher Pauschaltarif angeboten werden, der sich wirtschaftlich rechne, kritisieren die Telekom-Konkurrenten. Stellvertretend für die Branche haben deshalb der Onlinedienst AOL und Netzbetreiber Mediaways eine Beschwerde bei der Regulierungsbehörde gegen die Flatrate der Telekom-Tochter T-Online von rund 80 DM eingelegt. Damit bevorzuge die Telekom ihre Online-Tochter, wolle die Konkurrenten aus dem Markt heraushalten und nehme dafür Verluste bei T-Online in Kauf.

Die Onlineanbieter fordern eine pauschale Berechnung der Vorleistungen, die ihnen die Telekom in Form von Leitungskapazitäten bereitstellt. Nur mit einer solchen Großhandels-Flatrate könnten die Anbieter kalkulieren. "Es geht um den Internet-Standort Deutschland", sagte AOL-Sprecher Carsten Meincke. Nur mit Pauschaltarifen von unter 50 DM könnte das Internet in Deutschland stärker verbreitet werden. Die Behörde müsse die Telekom verpflichten, den Konkurrenten einen Festpreis in einem zeitlich befristeten Rahmen anzubieten.

Dagegen spricht die Telekom von einem Versuch, das wirtschaftliche Risiko auf den Netzbetreiber zu verlagern. Mit einer Flatrate für die Kunden können Surfer ohne Mehrkosten ständig mit dem Internet verbunden sein. Die Telefonkosten sind mit der Pauschale abgegolten.

Vor wenigen Tagen wandte sich Telekom-Vorstandsmitglied Gerd Tenzer erneut gegen eine Großhandelsflatrate: Sie würde die Entwicklung in die falsche Richtung lenken.

Die Zukunft des Internets liege nicht in Pauschaltarifen für Telefonanschlüsse mit geringen Übertragungsgeschwindigkeiten, sondern im schnellen Transport über breitbandige Anwendungen wie der DSL-Technologie. Diese steht nach Ansicht der Onlinedienste aber erst in zwei Jahren flächendeckend zur Verfügung. Bis dahin sei der Internetzug längst abgefahren, hieß es bei AOL. Für den Fall, dass die Regulierungsbehörde einen Pauschaltarif im Vorleistungsbereich anordnet, will die Telekom gerichtliche Schritte prüfen. (PC-WELT, 15.11.2000, dpa/ pk)

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