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Regulierungsbehörde: Chancen für Ortsnetzwettbewerb wachsen

20.07.2001 | 09:59 Uhr |

Die Chancen für mehr Wettbewerb im Ortsnetz haben sich nach Einschätzung der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post deutlich erhöht. Rein rechnerisch hätten derzeit etwa 60 Prozent aller Einwohner in Deutschland eine Alternative zu einem Telefonanschluss der Telekom.

Die Chancen für mehr Wettbewerb im Ortsnetz haben sich nach Einschätzung der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post deutlich erhöht. Rein rechnerisch hätten derzeit etwa 60 Prozent aller Einwohner in Deutschland eine Alternative zu einem Telefonanschluss der Telekom teilte der Präsident der Behörde, Matthias Kurth, in Bonn mit. Somit könnten die Konkurrenten des Marktführers auf rund 28 Millionen Telefonkanäle zurückgreifen. Die entscheidende Frage sei aber, ob die Kunden wechseln wollten und dann zügig umgeschaltet würden.

Nach wie vor zeigen die vorliegenden Daten, dass die Deutsche Telekom das Ortsnetz dominiert. "Wir sind noch lange nicht am Ziel", unterstrich Kurth bei der Vorstellung eines Berichts zur Wettbewerbssituation im Ortsnetz. So erreichten die neuen Anbieter bei insgesamt 50,9 Millionen Telefonkanälen einen Marktanteil von 2,1 Prozent. Regional ergäben sich jedoch erhebliche Unterschiede. Rund 80 Prozent der Anschlüsse der Wettbewerber auf der letzten Meile zum Endkunden (TAL-Anschluss) entfallen auf Mietleitungen der Telekom.

Bei den TAL-Vermietungen habe Deutschland in Europa eine Spitzenposition erreicht und Pionierleistung erbracht, betonte der Regulierungschef. Ende Juni standen knapp 500.000 Vermietungen gerade 90.000 in sieben EU-Ländern gegenüber. Als "unerfreulich" bezeichnete Kurth die Situation bei der Bereitstellung von Mietleitungen durch die Telekom. Das Unternehmen habe jedoch zugesagt, die hohen Auftragsrückstände in diesem Bereich bis Oktober abzuarbeiten.

Enttäuscht über die Aussagen der Regulierungsbehörde zeigte sich unterdessen der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten VATM. "Wir erwarten im Interesse unserer Mitglieder, dass die Regulierungsbehörde endlich entschieden gegen die Behinderungen der Deutschen Telekom vorgeht", verlangt Geschäftsführer Jürgen Grützner. Er forderte drastische Sanktionen, um den Ex-Monopolisten an der Ausnutzung seiner marktbeherrschenden Stellung zu hindern.

Kurth wies erneut die Kritik von Wettbewerbern zurück, seine Behörde habe mit ihren Entscheidungen in den vergangenen Monaten der Telekom in die Hände gespielt: "In der Rolle des Sündenbocks bin ich eine Fehlbesetzung", meinte der oberste Aufseher über den deutschen Telekom-Markt und hielt den Kritikern vor, von eigenen Problemen abzulenken.

Die Wachstumsdynamik auf dem Telekommunikationsmarkt sei nach wie vor intakt. So seien die Umsätze im vergangenen Jahr um 16 Prozent auf 110 Milliarden Mark gestiegen. Das waren 24 Milliarden Mark mehr als im ersten Jahr der Marktöffnung 1998. Am gesamten Markt hielten die Wettbewerber, vor allem bedingt durch ihre starke Stellung im Mobilfunk, einen Anteil von 41 Prozent.

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