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Domains werden zum Internet-Telefonbuch

03.12.2008 | 14:16 Uhr |

Statt Webseiten werden unter der neuen Top Level Domain Kontaktdaten direkt über das DNS online bereitgestellt.

Ab heute nimmt die Telnic erste Anträge für .tel-Domains entgegen. Zunächst können sich Inhaber von Markenrechten Einträge unter der Top Level Domain (TLD) sichern, die Domains auf eine völlig neue Art nutzt. Statt auf Webseiten verweisen .tel-Domainnamen auf Kontaktdaten, die direkt im Domain Name System (DNS) des Internets gespeichert werden. Das Angebot ist für den Zugriff über Mobilgeräte optimiert und bildet somit eine Art Internet-Telefonbuch. "Dieses Konzept ist sehr interessant", meint Richard Wein, Geschäftsführer bei Nic.at. Allerdings bleibt abzuwarten, ob sich die Idee auch im Privatnutzer-Bereich bewähren kann.

"Bei .tel geht es nicht um Webinahlte, Websites oder immersiven Content, sondern einfach um Kommunikation und die Kundenerfahrung", betont Justin Hayward, Telnic Communications Director. Eine .tel-Domain bietet ein Listing diverser Kontaktdaten des jeweiligen Inhabers. Das kann vielfältige Informationen umfassen, angefangen bei Telefonnummern und E-Mail-Adressen über Instant-Messenger-Kontakte sowie Links zu Webseiten bis zu Postadressen und Standortdaten. Dabei können Unternehmen sogar differenziert Daten bereitstellen. "Premium-Kunden können 24-Stunden-Hotlines sehen, während andere die Telefonnummern zu Geschäftszeiten bekommen", nennt Hayward ein Beispiel. Was genau veröffentlicht wird, liegt dabei im Ermessen des Domain-Inhabers und kann jederzeit in Echtzeit geändert werden. Die Daten werden dabei nicht über eine klassische Website bereitgestellt, sondern sind in verschlüsselter Form direkt im DNS abgelegt. "Der Zugriff auf das Service durch Endkunden ist sehr günstig, da die Datenmenge gering ist", betont Hayward. Das ist gerade bei Mobilgeräten von Vorteil.

Die .tel-TLD startet zunächst in eine "Sunrise"-Periode, in der sich Inhaber von Markenrechten entsprechende Domains sichern können. Für große Unternehmen attraktiv machen könnte das Angebot unter anderem die Möglichkeit, über Subdomains Kontaktdaten einzelner Mitarbeiter bereitzustellen meint Wein. Ab 3. Februar 2009 kommt es dann zum .tel-Landrush. Ab diesem Datum wird jeder Nutzer die Chance haben, sich eine Domain unter der neuen TLD zu sichern. "Es hat einen gewissen Charme, eine einzigartige Identität zu haben", ortet Wein auch hier Potenzial. Ein mögliches Problem sieht der Nic.at-Geschäftsführer eher in der Skalierbarkeit für Privatanwender. "Es wird beispielsweise nur ein 'Richard' und ein 'Wein' glücklich", erklärt er.

Gerade für Kleinunternehmen ohne existierende Webpräsenz könne das Angebot insofern attraktiv sein, da es nicht mit dem Hosting- und Verwaltungsaufwand klassischer Webseiten verbunden ist, ist Hayward überzeugt. Ob die .tel-TLD dieses und andere Potenziale ausschöpfen kann, bleibt aber abzuwarten. "Es braucht Zeit, bis der Erfolg wirklich beurteilt werden kann", sagt Wein. Zumindest zwölf bis 15 Monate müsse man dem Angebot Zeit geben, ehe darüber ein Urteil gefällt werden kann. Selbst das könnte zu früh sein. ".eu ist erst jetzt wirklich im kommen", verweist Wein auf die TLD der Europäischen Union. Ihre Sunrise-Periode hatte vor fast genau drei Jahren begonnen. (pte/jp)

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