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Open Source boomt weil USA so unbeliebt sind

26.03.2008 | 16:27 Uhr |

Mit einer provokanten Aussage macht derzeit der CEO des Linux-Unternehmens Red Hat von sich reden. Er meint nämlich, dass der Open Source-Boom und die wachsende Beliebtheit von quelloffener Software vor allem einen Grund habe: Die Unbeliebtheit der USA in der großen weiten Welt.

Das Ansehen und die Beliebtheit der Vereinigten Staaten von Amerika haben sich unter dem Präsidenten George W. Bush nicht unbedingt positiv entwickelt. Der Angriff auf den Irak, das harte Vorgehen in Afghanistan, das mitunter offen zur Schau gestellte Desinteresse am Umweltschutz (Stichwort Kyoto-Protokoll) und der eine oder andere besonders raubeinige (Ex)-Protagonist der Bush-Regierung wie beispielsweise der ehemalige Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sowie die ganz offensichtlich auf Pump finanzierte Wirtschaftspolitik der USA dürften den einen oder anderen Zeitgenossen dazu bewegt haben, die USA kritischer zu sehen. Ganz besonders auch in Deutschland. Doch der Schluss, den Jim Whitehurst, CEO des Linux-Giganten Red Hat daraus zieht, verblüfft dann doch etwas.

Geht es nach Whitehurst, so ist die Unbeliebtheit der USA ein wichtiger Grund dafür, dass Open Source so boomt. Ausländische Staaten würden demnach nur "ungern Abgaben an die USA zahlen", meint der Red Hat-Chef sinngemäß nach einem Bericht unserer US-Schwesterpublikation Infoworld. Wobei Whitehurst hier den Staat USA mit US-Unternehmen quasi gleich setzt.

Außerhalb der USA würde Open Source als fundamentales Gut angesehen. Diese gewisse Unbeliebtheit der USA und damit verbunden die Abneigung gegen Lizenzgebühren und Ausgaben für kommerzielle Software aus den USA würden Whitehurst zufolge aber auch Westeuropa negativ betreffen - somit bezog der CEO von Red Hat seine Aussage über die Pro-Open-Source-Einstellung besonders auf Osteuropa, Russland und den arabisch-asiatischen Raum. In der Tat steht in diesen Ländern Open Source und Linux besonders hoch im Kurs, China hat beispielsweise eine eigene Linux-Distribution entwickelt.

Vielleicht spielen bei der relativen Unbeliebtheit von US-Software auch Befürchtungen eine Rolle, dass US-Geheimdienste über Software beispielsweise von Microsoft Zugriff auf fremde Daten erlangen könnten. Hierbei sei an den fast schon legendären NSA-Key in Windows NT 4 erinnert. Dieser Key wurde mitunter als eine eingebaute Hintertür in Microsoft-Betriebssystemen interpretiert, mit der der amerikanische Geheimdienst National Security Agency (NSA) starke Verschlüsselungsverfahren unterlaufen könne . Auch wenn das vermutlich nicht zutraf und diese Befürchtungen frei erfunden waren, so sorgte das damals doch für erhebliche Unruhe und diese Sorge könnte bis heute nachwirken.

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