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Beiträge im Web 2008 verdoppelt

15.08.2009 | 15:28 Uhr |

Die rechtsextreme Szene hat im vergangenen Jahr ihre Aktivitäten im Internet verstärkt. Vor allem die Möglichkeiten des Web 2.0 werden ausgiebig dafür missbraucht, menschenverachtende Inhalte zu verbreiten und Jugendliche mit Videos und Musik zu ködern.

"Für Rechtsextreme sind Videos und Musik inzwischen das Propagandainstrument Nummer Eins. Die Möglichkeiten, die sich durch Web-2.0-Plattformen für die Verbreitung ihrer Hass-Botschaften bieten, sind schier unbegrenzt", stellt Stefan Glaser, Leiter des Arbeitsbereichs Rechtsextremismus vonjugendschutz.net , am Freitag anlässlich der Veröffentlichung des Projektberichts " Rechtsextremismus Online " fest. Um dieser zunehmend bedenklicher werdenden Entwicklung entgegenzuwirken, seien vor allem die Betreiber der Web-Portale gefordert. Diese müssten "konsequent an effektiven Lösungen arbeiten", um die Verbreitung unzulässiger Inhalte über ihre Dienste auch eigeninitiativ zu verhindern, fordert Glaser.

"Unsere Aufgabe besteht darin, deutschsprachige Webseiten zu sichten. Es kommt aber durchaus auch vor, dass wir Hinweise auf Seiten aus dem Ausland bekommen", fasst Glaser die Hauptaufgabe der Jugendschutzeinrichtung gegenüber pressetext zusammen. Die Anzahl der dokumentierten unzulässigen rechtsextremen Beiträge in sozialen Netzwerken und auf Videoplattformen hat sich dabei im Laufe des vergangenen Jahres auf mehr als 1.500 verdoppelt. Auch die Zahl der Szene-Webseiten hat einen neuen Rekordhöchststand erreicht, ganze 1.707 Angebote konnte jugendschutz.net 2008 aufspüren. Als besonders problematisch erweist sich hierbei vor allem die Art und Weise, wie versucht wird, junge Internetnutzer mit bunten Websites, Symbolen aus verschiedenen Jugendszenen und griffigen Slogans anzusprechen. "Die Arbeit gegen Rechtsextremismus im Web ist gerade im Hinblick auf die steigenden Zahlen und die gezielte Ansprache von Jugendlichen enorm wichtig", betont Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung ( bpb ), die jugendschutz.net fördert.

"Heranwachsende verbringen immer mehr Zeit im Internet, gerade auch im Web 2.0. Damit das Medium weiterhin Demokratie und Toleranz fördern kann, muss Rechtsextremen in sämtlichen Diensten die Rote Karte gezeigt werden. jugendschutz.net leistet hierzu einen wesentlichen Beitrag", ergänzt Krüger. Dass die Tätigkeit der Jugendschutzeinrichtung aufgrund der globalen Vernetzung im Netz nicht immer einfach ist, liegt auf der Hand. Eigenen Angaben zufolge nehmen die Jugendschützer aber auch zu ausländischen Providern Kontakt auf, um gezielt gegen unzulässige Inhalte vorgehen zu können. Insgesamt konnte das Team von jugenschutz.net so im vergangenen Jahr in 80 Prozent der beanstandeten Fälle die Entfernung von rechtsextremen Content erreichen.

Um die Jugendlichen für Internet-Propaganda von Rechtsextremen zu sensibilisieren, hat jugendschutz.net gemeinsam mit der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung ( HLZ ) die Broschüre "Klickt's? Geh Nazis nicht ins Netz!" veröffentlicht. Die Druckschrift, die entweder kostenlos bei den jeweiligen Landeszentralen für politische Bildung bestellt oder auf den entsprechenden Webseiten heruntergeladen werden kann, soll anhand konkreter Beispiele spielerisch und modern zeigen, wo im Web Gefahren lauern, wie die rechtliche Lage aussieht und was Einzelne tun können, um Neonazis nicht ins Netz zu gehen.

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