20.08.2007, 08:55

Tobias Weidemann

Recht auf Privatkopie weiter beschnitten

Doch es gibt auch gute Nachrichten: Privatkopien bleiben generell weiterhin erlaubt. Zumindest wenn es sich um nicht kopiergeschützte Audio-CDs oder Film-DVDs handelt, dürfen Sie von rechtmäßig erworbenen Datenträgern eine Kopie ziehen. Das betrifft nicht nur Exemplare für den eigenen privaten Gebrauch im Auto-CD-Player oder Wochenendhaus, sondern auch die Weitergabe an persönlich verbundene Personen, also Familienmitglieder, Freunde oder Mitbewohner (§ 53 UrhG). Wohlgemerkt setzt die Privatkopie einen nichtkommerziellen und gelegentlichen Charakter voraus.
Das Kopieren von kopiergeschützten CDs und DVDs ist dagegen auf digitalem Wege nicht gestattet. Dabei hat der Gesetzgeber festgelegt, dass es sich bei dem Kopierschutz um eine „wirksame Maßnahme“ handeln muss, mit der das Kopieren verhindert werden soll. Was eine solche wirksame Maßnahme ist, darüber herrschen allerdings unterschiedliche Rechtsauffassungen. So entschied zuletzt ein Gericht in Finnland, dass etwa der bei Film-DVDs weit verbreitete Kopierschutz CSS nicht als effektiver Schutz gegen Raubkopien angesehen werden könne, da er bereits 1999 geknackt wurde. Ob ein deutsches Gericht auch so entscheiden würde, darf bezweifelt werden.
Analoge Kopien von kopiergeschützten Datenträgern sind weiterhin erlaubt (Urteil des Landgerichtes Frankfurt am Main vom 31.05.2006, AZ 2-06 O 288/06). Allerdings nur, wenn das Schutzsystem nicht darauf abzielt, auch analoge Kopien zu verhindern.
Für das Erstellen analoger Kopien gibt es eine Reihe von Programmen. Am einfachsten zu handhaben ist das Gratis-Tool Audacity (für Windows 95/98/ME, NT 4, 2000, XP). Spielen Sie die gewünschte CD auf Ihrem PC ab, und schalten Sie in Audacity während der Aufnahme rechts in der Quellenauswahl auf „Stereomix“). Nun spielt der PC die Titel aus der digitalen Quelle ab, wandelt sie mit Hilfe der Soundkarte in ein analoges Signal um, greift dieses wiederum von der Soundkarte ab und wandelt es in Form der Aufzeichnung zurück in ein digitales Signal. Nach der Aufnahme müssen Sie die Titel noch schneiden und als Einzel-Tracks ablegen.
Ähnlich funktioniert dies bei Filmen. Hier benötigen Sie ein Tool-Paket wie G-Data Davideo Ultimate (www.gdata.de, 39,95 Euro), mit dem sich sowohl digitale Kopien von nicht kopiergeschützten DVDs als auch analoge Kopien von kopiergeschützten DVDs erstellen lassen. Hierfür schließen Sie einen externen DVD-Player an einen beliebigen Video-Eingang Ihres Rechners an (meist über die TV-Karte oder Grafikkarte). Ähnlich wie bei der analogen Audio-Kopie geht das natürlich nur in Echtzeit; die Aufzeichnung dauert also so lange wie der eigentliche Film.
Übrigens lassen sich mit Davideo Ultimate auch Kopien von älteren VHS-Kassetten anlegen – das ist natürlich ebenfalls weiterhin legal, zumal es sich bei der Quelle nur um ein analoges Format handelt. Ausnahme: Der analoge Kopierschutz Macrovision stellt ebenfalls eine wirksame Kopierschutzmaßnahme dar und darf folglich auch nicht umgangen werden.
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