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Prozess um Kopiersoftware RealDVD gestartet

25.04.2009 | 15:03 Uhr |

Vor dem Bundesgerichtshof in San Francisco startete gestern ein mit Spannung erwarteter Prozess, dessen Ausgang für die weitere Entwicklung des DVD-Marktes von entscheidender Bedeutung sein könnte.

Kernpunkt des Rechtsstreits ist die Kopiersoftware RealDVD des US-Unternehmens RealNetworks, die es Nutzern ermöglicht, eine Sicherheitskopie von kopiergeschützten DVD-Filmen zu erstellen. Nachdem die Hollywood-Studios, vertreten durch die Motion Picture Association of America ( MPAA ), im Oktober vergangenen Jahres per einstweiliger Verfügung einen Verkaufsstopp des Programms erwirkt hatten, soll im aktuellen Verfahren nun endgültig über die Rechtsmäßigkeit der umstrittenen Software entschieden werden. Aus Sicht der Hollywood-Studios stellt RealDVD eine ernsthafte Bedrohung für das ohnehin bereits angeschlagene DVD-Geschäft dar. "Mithilfe dieser Software können die Leute sich einen DVD-Film von Netflix, Blockbuster oder einer öffentlichen Bücherei holen, ihn kopieren, zurückbringen und so oft ansehen wie sie wollen, ohne ihn regulär bezahlen zu müssen", fasst Greg Goeckner, Executive Vice President und Leiter der Rechtsabteilung der MPAA gegenüber der New York Times die Kritik zusammen. Die Studios würden zudem befürchten, dass diese Technologie den vielversprechenden digitalen Download-Markt, der durch Services wie iTunes und Hulu mittlerweile deutlich an Bedeutung gewinne, unterminieren könnte. "Wir versuchen nur, das Image des Mediums DVD wieder aufzubessern", entgegnet Bill Way, Vice President und Rechtsexperte von RealNetworks. Schließlich sei sein Unternehmen genauso daran interessiert, die entsprechenden Verkäufe anzukurbeln wie die Industrievertreter.

"Die Frage, ob Nutzer das Recht haben sollten, eine private Kopie von einem legal im Handel erworbenen DVD-Film zu erstellen, wird bereits seit geraumer Zeit diskutiert. Obwohl dieses Problem mittlerweile etwas entschärft worden ist, bleibt es bis auf weiteres dabei, dass das Umgehen von technischen Schutzmaßnahmen in diesem Zusammenhang illegal ist", erklärt Andreas Manak, Urheberrechtsexperte und Rechtsanwalt des Vereins für Anti-Piraterie der Film- und Videobranche ( VAP ), gegenüber pressetext. Das Erstellen einer Eins-zu-eins-Kopie sei gegenwärtig auf legalem Wege nicht möglich. "Es finden sich zwar im Internet genügend Tools, die dies ermöglichen. Sobald der CSS-Kopierschutz von DVDs umgangen wird, macht sich der User aber unbestritten strafbar", betont Manak. Eine Entwicklung, dass die Filmwirtschaft künftig auf Kopierschutzmaßnahmen bei DVDs verzichtet werde, sieht der VAP-Experte derzeit nicht.

Erst vor wenigen Wochen hatte eine Untersuchung der Verbraucherschutzorganisation National Consumers League ( NCL ) ergeben, dass sich die große Mehrheit der US-Bürger ein freizügigeres Vorgehen der Industrie in puncto DVD-Kopierschutz wünscht. Rund 90 Prozent der befragten Konsumenten sprechen sich demnach dafür aus, dass ein rechtmäßig erworbener DVD-Film von seinem Eigentümer auch ohne Probleme auf dem eigenen Computer gesichert werden kann. Das Erstellen eines sogenannten "Backups" wird aber derzeit durch den Kopierschutz CSS (Content Scrambling System), den die Filmwirtschaft DVDs aufgedrückt hat, verhindert. (pte)

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