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Briefmarkenfälscher vermasseln PIN das Geschäft

29.08.2009 | 16:12 Uhr |

Illegale Kopien von Briefmarken belasten das Geschäft des privaten Postdienstleisters PIN. Wie das Unternehmen bekannt gab, werde man ab September daher nur noch Briefe bearbeiten, die über Postwertzeichen des Konzerns verfügen und ab dem 1. Juni 2008 ausgegeben wurden.

Einem Bericht der Financial Times Deutschland nach soll PIN inzwischen bereits Strafanzeige gestellt und etwa 12.000 Kunden über das Aus für die älteren Briefmarken informiert haben. Der entstandene wirtschaftliche Schaden sei dem Konzern nach "relevant", obwohl genaue Schätzungen über das Ausmaß noch nicht vorliegen. "Briefmarkenfälschungen gibt es bereits seit der Einführung von Postwertzeichen. Kriminelle werden immer gewiefter und kopieren teilweise hochprofessionell", unterstreicht Hans-Dieter Schlegel vom Bund philatelistischer Prüfer gegenüber pressetext. Laut dem Fachmann tauchen bereits kurz nach der offiziellen Veröffentlichung neuer Marken Imitate auf. "Vor allem das World Wide Web ist für Fälscher mit Plattformen wie eBay ein wahres Eldorado", so Schlegel. Dabei werden angewandte Techniken mit speziellen Farben und Labeldruckern immer moderner. Kopien kämen vor allem aus osteuropäischen Staaten.

Die Fälschungen dürften für die Kriminellen keine große Herausforderung gewesen sein, da ältere PIN-Postwertzeichen einfach zu kopieren waren. PIN zufolge sind vor allem die Marken der zweiten PIN-Group-AG-Serie mit Tiermotiven gefälscht worden. Eine 52-Cent-Marke mit Froschmotiv sei "schwerpunktmäßig betroffen". Während die alten Marken noch von einem externen Dienstleister geliefert worden, bezieht PIN die aktuellen Postwertzeichen nur noch über die Bundesdruckerei unter Verwendung zusätzlicher Sicherheitsmerkmale. Die neuen Marken, darunter auch die sogenannte Ampelmann-Serie, sind jetzt alleinig gültig.

"Die Bundesdruckerei stellt 50 Prozent aller Briefmarken in Deutschland her", sagt Jessica Behrens, Sprecherin der deutschen Bundesdruckerei , auf Nachfrage von pressetext. Die Fälschungen kommen für den Deutsche-Post-Konkurrenten mehr als ungelegen. Nicht nur die Finanz- und Wirtschaftskrise hat einen Einfluss auf das Geschäft. Auch will PIN Mail nach der Insolvenz der Muttergesellschaft PIN Group 2008 über neue Partnerschaften wieder Fuß im umkämpften Briefzustellmarkt fassen. Nachdem die Stuttgarter Mediengruppe Holzbrinck im Herbst zwölf frühere Tochtergesellschaften mit über 2.500 Mitarbeitern übernommen hatte, soll PIN Mail nun wieder schrittweise expandieren.

Vervielfältigungen von Briefmarken sind auch bei der Deutschen Post in Einzelfällen in der Vergangenheit bekannt geworden. Derzeit verzeichnet man dort aber keinen besonderen Anstieg. Von Vorteil ist laut dem Konzern, dass in den modernen, automatisierten Briefverteilstationen Fälschungen schnell über Sicherheitsmechanismen wie fluoreszierende Stoffe identifiziert werden können. Kunden wird aber empfohlen, nicht über Dritte Briefmarken zu kaufen, sondern autorisierte Postfilialen zu nutzen. Bei PIN bietet man Kunden unter Rechnungsvorlage an, nicht verwendete Briefmarken umtauschen zu können. Auch erwägt PIN eine Zusammenarbeit mit dem größten privaten Postdienstleister TNT. (pte)

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