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"Aktion scharf" gegen Piratenradios

07.03.2009 | 15:39 Uhr |

Die britische Medienregulierungsbehörde Ofcom setzt ihre "Aktion scharf" gegen die Piratenradioszene in Großbritannien fort. Nachdem bereits im Vorjahr 43 illegalen Sendern im ganzen Land der Hahn zugedreht worden war, führte die Polizei kürzlich erneut Hausdurchsuchungen in einem nördlichen Stadtteil Londons durch.

Im Zuge der Aktion wurden fünf Verdächtige festgenommen und Musik- und Übertragungsequipment im Wert von mehreren Tausend Pfund sichergestellt, berichtet die BBC . Laut Ofcom existieren zurzeit an die 160 unautorisierte Piratensender in Großbritannien, ein Großteil davon operiere in London oder im Südosten Englands. "Der Betrieb eines Piratenradios ist kein opferloses Verbrechen", stellt Paul Mercer, Head of Investigations bei der Regulierungsbehörde, klar. Durch illegale Übertragungen würden oft Frequenzen blockiert, die eigentlich für die Notrufdienste reserviert sind. "Auf diese Weise werden Leben aufs Spiel gesetzt", so Mercer."Wir erreichen die Menschen auf eine Art und Weise, die bei Mainstream-Radioangeboten vollkommen unmöglich ist", verteidigt Ray Gambeno, Produzent des Radiosenders Supreme FM , die Piratenradios gegenüber der BBC. Durch die illegale Sendeaktivität hätten zudem noch unbekannte aufstrebende Musiker eine Chance von der Öffentlichkeit gehört zu werden. "Piratenradios können spielen was sie wollen. Bei einem legalen Sender wird man hingegen nur das zu hören bekommen, was in den entsprechenden Playlists vorgegeben ist", stellt Gambeno fest. Die von der Ofcom kritisierten Frequenzblockaden würden durch neue technische Systeme mittlerweile nur mehr äußerst selten vorkommen. "Rund 90 Prozent der Piratenradios setzen heute auf Mikrowellentechnik, die keinerlei Interferenzen mit anderen Frequenzen mehr hervorruft", hält Gambeno den Vorwürfen der Ofcom entgegen.

"Die Piratenradioszene war bis 1997 sehr stark in Österreich vertreten. Mit der Novelle zum Regionalradiogesetz, die der Nationalrat am 20. März 1997 beschlossen hat, sind aber fast alle derartigen Projekte in Freie Radios übergegangen", erklärt Gerhard Kettler, Programmkoordinator beim Freien Radio Orange 94.0 im Gespräch mit pressetext. Echte Piratenradios gibt es nach Wissen des Radioexperten heute keine mehr im Land. "Seit 1998 setzt sich die Entwicklung der Piratenradioszene bei den Freien Radios fort. Diese zeichnen sich vor allem durch einen offenen Zugang aus, der die Meinungsfreiheit der Menschen fördert und auch solche Themen aufgreift, die in der restlichen Medienlandschaft ansonsten hoffnungslos unterrepräsentiert wären", fasst Kettler zusammen.

Das größte Problem, mit dem die freie Radioszene derzeit noch zu kämpfen habe, sei die fehlende finanzielle Förderung. "Die Leistungen im öffentlichen Interesse, die Freie Radios erfüllen, müssen öffentlich gefördert werden. Nur mithilfe einer gesetzlich verankerten Förderung kann der hohe Infrastrukturaufwand für den Sendebetrieb gedeckt werden", betont Kettler. Dies sei auch eine der zentralen Forderungen des Verbandes Freier Radios Österreich ( VFRÖ ), der sich bereits seit geraumer Zeit für die Interessen der Freien Radios einsetzt. "Wir fordern die Einrichtung eines 'Freie-Radios-Fonds', der aus jenem Teil der Rundfunkgebühren gespeist wird, der nicht dem öffentlich-rechtlichen ORF zufließt", so Kettler abschließend. (pte)

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