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Rechner streikt: Wie sich Anwender am PC rächen

Wer kennt das nicht: Der Rechner streikt, und man möchte die Kiste am liebsten aus dem Fenster schmeißen. Doch wer bislang dachte, dass Nutzer in solchen Momenten den Ärger herunterschlucken, irrt. Untersuchungen zufolge holen viele Anwender tatsächlich zum Gegenschlag aus, wenn der PC mit unverständlichen Fehlermeldungen nervt: Dabei sind Fausthiebe auf die Tastatur oder Fußtritte gegen das Gehäuse nur der Anfang. Inzwischen bekennt sich eine kleine Gemeinde von Computer-Hassern ganz offen zu ihrem PC-Frust und nimmt mit Axt oder Kettensäge Rache am Rechner.

"Computer werden häufig von ihren Anwendern geschlagen oder beschimpft", sagt die Soziologin Marleen Brinks aus München, die 2004 an der Fernuniversität Hagen eine Studie über Computer-Frust vorgestellt hat. Zwei Drittel der befragten Nutzer hatten demnach ihrem Ärger über den PC schon einmal lautstark Luft gemacht, jeder Dritte wurde sogar handgreiflich. Der Großteil der Anwender behandele den Rechner nämlich nicht wie eine leblose Kiste, sondern eher wie ein eigenständiges Lebewesen, so Brinks. Wenn dieses sie ärgert, seien Rachegelüste ganz natürlich.

Zudem seien viele Nutzer in ihrer täglichen Arbeit vom PC abhängig und geraten bei Rechnerausfällen unter Zeitdruck. Wenn der PC dann kurz vor einem Termin den Dienst verweigert, ist der Frust programmiert. Für viele Nutzer bleibe der PC dabei undurchschaubar und vermittele ihnen ein Gefühl der Ohnmacht - denn wer kann schon wirklich etwas mit den kryptischen Fehlermeldungen vieler Anwendungen anfangen?

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