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Reaktionen auf Napster-Urteil

13.02.2001 | 16:48 Uhr |

Das Urteil gegen Napster hat wie erwartet unterschiedlichste Reaktionen ausgelöst. Napster will die Entscheidung anfechten und Berufung einlegen. Die Musik-Industrie und einige Künstler sehen sich hingegen als berechtigte Sieger.

Das Urteil gegen Napster hat wie erwartet unterschiedlichste Reaktionen ausgelöst. Die Musiktauschbörse Napster will nach der Niederlage vor einem Berufungsgericht in San Francisco die gerichtliche Entscheidung anfechten und Berufung einlegen, wie Napster-Staranwalt David Boies erklärte. Das Internetunternehmen mit vielen Millionen Fans fürchtet, dass es nach dem Richterspruch bereits vor einer endgültigen Klärung des Streits zur Schließung gezwungen werden könnte.

Napster-Gründer Shawn Fanning äußerte sich jedoch optimistisch: "Wir werden einen Weg finden, um den Fortbestand der Community aufrecht zu erhalten". Außerdem werden die Napster-Mitglieder aufgefordert, sich an ihren jeweiligen Repräsentanten im Kongress zu wenden und diesen von der Notwendigkeit eines Fortbestands der Musiktauschbörse in seiner alten Form zu überzeugen.

Bertelsmann, seit kurzem in einer Allianz mit der umstrittenen Tauschbörse, sieht in dem Urteil einen wichtigen "Schritt nach vorne". "Für uns ist es ein glatter Sieg", meinte der Präsident der Bertelsmann E-Commerce Group, Andreas Schmidt. Der Ansatz, das Napster-Modell zu modifizieren und mit einem kleinen Obolus auch den Schutz der Urheberrechte zu respektieren, habe sich durchgesetzt. "Auch wenn das Angebot kostenpflichtig wird, bleibt es mit 260 Millionen Musiktiteln weltweit einmalig und ist einfach zu bedienen".

Auch die Musikindustrie begrüßte das Urteil und bezeichnete es als "Sieg für alle Musikschaffenden". Auch Napster dürfe sich nicht über die Rechte von Urhebern hinwegsetzen, wertete der Vorsitzende der Deutschen Landesgruppe der "International Federation of the Phonographic Industry" (IFPI), Wolf-D. Gramatke, das Urteil. Das geistige Eigentum von Künstlern sei zu schützen und dürfe nicht ohne Zustimmung im Internet öffentlich angeboten werden.

Die Recording Industry Association of America (RIAA) zeigte sich ebenfalls mit dem Urteil zufrieden. Chuck Cooper, ein Rechtsanwalt der RIAA: "Diese Entscheidung schreibt eine wunderschöne Grabinschrift für Napster".

Und auch einige Musikschaffende jubeln: "Wir sind erleichtert, dass das Gericht das Recht aller Künstler bestätigt hat...", war von der Heavy Metal Band Metallica zu hören.

Die Consumer Electronics Association (CEA) zeigte sich hingegen "maßlos enttäuscht". Jeff Joseph, der Vizepräsident des CEA meinte: "Falls Benutzer für jeden Download zahlen müssen, könnte das bremsend auf die Entwicklung von Technologien wie MP3-Player und Digitalrecorder wirken". (PC-WELT, 13.02.2001, dpa/ hc)

Der Urteilstext

Neues von Napster (PC-WELT Online, 08.02.2001)

Napster ab Sommer kostenpflichtig (PC-WELT Online, 29.01.2001)

Klagefront gegen Napster bröckelt (PC-WELT Online, 26.01.2001)

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