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Ramsch statt Rolex: Vorsicht vor Markenschwindel im Internet

Der Handel mit gefälschten Markenartikeln im Internet blüht. Ob Designer-Jeans, noble Sonnenbrillen oder Luxus-Handtaschen: Immer mehr Online-Nutzer gehen Produktpiraten auf den Leim. Weil es für geprellte Kunden hinterher nicht einfach ist, zu ihrem Recht zu kommen, raten Experten zu Skepsis vor dem Kauf.

Reihenweise Stände mit imitierter Markenware kennen Touristen von Straßenmärkten aus dem Auslandsurlaub. Die Wahrscheinlichkeit, auch im Internet darauf zu stoßen "ist relativ groß", beobachtet Markus Saller von der Verbraucherzentrale Bayern in München. In Online-Auktionen würden viele Plagiate auftauchen. Auch bei der größten Internet-Auktionsplattform Ebay werden immer wieder Fälschungen entdeckt.

Die Produktpiraterie im Netz boomt, weil Verkäufer dort mit geringem Aufwand Artikel anbieten können und Kunden häufig offenbar zu arglos zuschlagen, erklärt Lennart Röer vom Aktionskreis Deutsche Wirtschaft gegen Produkt- und Markenpiraterie (APM) beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag in Berlin. "Viele stehen beim Online-Kauf günstigen Preisen weniger skeptisch gegenüber als im Geschäft um die Ecke. Dabei gibt es eine echte Rolex nicht zum Spottpreis", warnt Jurist Röer.

Vorsicht sei bei Markenmode, Schmuck, Uhren, Musik oder Computersoftware geboten. Unter diesen Artikeln seien auch im Internet am häufigsten Plagiate zu finden, so Röer. Bisweilen seien Fälschungen von den Originalen kaum zu unterscheiden. Häufig wäre die Qualität aber nicht mal ihren deutlich geringeren Preis wert.

Mit einer Fälschung abgespeist, obwohl ein Original versprochen war: Ob geprellte Kunden sich dagegen wehren können, hängt vor allem davon ab, bei wem sie gekauft haben, erklärt Rechtsanwalt Johannes Richard aus Rostock . Bei gewerblichen Verkäufern können sie in jedem Fall so genannte Sachmängelansprüche geltend machen. "Verbraucher können dann ein echtes Produkt nachfordern oder verlangen, dass der Anbieter die Differenz zwischen dem Kaufpreis des erworbenen und einem Originalprodukt auszahlt." Im Zweifelsfall könne er den Kauf einfach widerrufen, erläutert der Internet- und Markenrechtsexperte.

Handelt es sich um einen privaten Verkäufer, ist das nicht so einfach: Er kann eine Gewährleistung ausschließen. In diesem Fall muss ihm nachgewiesen werden, dass er bewusst eine Fälschung verkauft hat - sonst hat er nichts zu befürchten und der Käufer bleibt auf der Ware sitzen, sagt Johannes Richard. Allerdings seien die Grenzen fließend, warnt der Rechtsanwalt. Wer in kurzer Zeit verhältnismäßig viele Artikel verkauft, muss damit rechnen, wie ein gewerblicher Anbieter behandelt zu werden.

Neben den Ansprüchen des Käufers droht dann auch Ärger mit den Markenherstellern und der Staatsanwaltschaft. Gefälschte Markenprodukte aus dem Urlaub in der Heimat versilbern zu wollen, kann "ein teurer Spaß" werden, sagt Johannes Richard. Nach der Erfahrung des Rechtsexperten kommen solche Fälle öfters vor. Der Handel mit Imitationen werde häufig als Kavaliersdelikt missverstanden.

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