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Radiosender nutzen Piraten-Hitlisten

15.07.2007 | 15:37 Uhr |

Einige Radiosender in den USA nutzen die Top10-Listen illegaler Download-Seiten für ihr eigenes Programm. Dabei bestehe jedoch die Gefahr, an der eigentlichen Zielgruppe vorbei zu schießen.

Das Problem der Musikpiraterie wird von einigen US-amerikanischen Stationen bereits zum eigenen Vorteil umgewandelt. Premiere Radio Networks, ein zu Clear Channel gehörendes Unternehmen, und auch andere Marketingfirmen haben begonnen, Informationen über populäre Downloads auf illegalen Portalen zu sammeln und weiter zu verkaufen. Die Beobachtung der Musikpiraten ermögliche es, die beliebtesten Alben und Songs aufzuspüren. Das eigene Radioprogramm werde anschließend nach diesen Vorgaben gestaltet.

„Wir betreiben natürlich auch Research. Aber das geschieht in erster Linie telefonisch. Wir befragen unsere Nutzer, was gerne gehört wird", erklärt Ulrich Köring, Unterhaltungschef des Privatradios 88,6 . Die Downloadzahlen seien zwar ebenfalls interessant, bergen jedoch ein großes Risiko: „Meist laden sich vor allem die Jüngeren sehr viel von Plattformen herunter. Da kann es leicht passieren, dass die Daten dann für die Zielgruppe des Radiosenders nicht repräsentativ sind“, so Köring weiter. Die amerikanischen Vermarkter derartiger Download-Informationen gehen sogar noch einen Schritt weiter. So sollen die von ihnen gesammelten Informationen auch einen Nutzen für die Plattenfirmen haben. Schließlich wirke sich das Spielen bestimmter Titel auch auf die Verkaufszahlen aus.

„Das Medium Radio hat generell ein Problem mit der ganz jungen Zielgruppe bis etwa 25 Jahre. Dafür gibt es viele Ursachen, unter anderem auch das Herunterladen von MP3s. Insgesamt geht die Radionutzung allerdings nicht zurück", betont Köring. Die Entwicklung müsse jedoch länger verfolgt werden, um Veränderungen in der jungen Zielgruppe zu bemerken: „Ich glaube, es kann auch ein gutes Nebeneinander von Radio und Internet geben", so Köring abschließend.

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