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Gekürzte Werbe-Etats stürzen US-Radios in Krise

11.11.2008 | 12:39 Uhr |

Die Radiostationen in den USA befinden sich in einer ernsthaften Krise. Sinkende Werbeumsätze und iPods werden verantwortlich gemacht.

Teils hohe Verschuldungen und Kürzungen von Werbeetats aufgrund der wirtschaftlichen Turbulenzen haben die Situation der Radios deutlich verschlechtert. Bislang hatte sich das Medium Radio grundsätzlich als profitabel und beständig erwiesen und sowohl der Konkurrenz Fernsehen als auch dem Internet weitgehend standgehalten. Allerdings haben viele Sender im Zuge von Konsolidierungswellen, die in den 90er-Jahren starteten, Schuldenberge angehäuft. Gleichzeitig entstand mit der Verbreitung von iPods, Satellitenradios und musikfähigen Handys ein neuer Wettbewerb. Parallel zu den rückläufigen Werbeausgaben bekommen die Radios diese Entwicklungen nun erstmals empfindlich zu spüren, berichtet das Wall Street Journal.

"Es ist grauenvoll", sagt Farid Suleman, Chef von Citadel Broadcasting, Betreiber eines Radio-Networks mit mehr als 200 verschiedenen Sendern in den USA. Die aktuelle Lage sei das absolut schlimmste, was er je erlebt habe. Viele Radiostationen, so auch CBS Radio, sind bereits von Entlassungen und anderen Kürzungen betroffen. Citadel gab erst vergangene Woche einen Einnahmenrückgang von elf Prozent bekannt. Der Radiobetreiber Entercom musste ebenfalls ein Umsatzminus von sechs Prozent verschmerzen. Die meisten Sender erfahren einen deutlichen Wertverlust und einigen droht gar der Rausschmiss an der Börse. Um irgendwie zu überleben, starten die meisten Radiostationen nun umfassende Stellenkürzungen. So hat Citadel in diesem Jahr bereits sieben Prozent bzw. 340 seiner Mitarbeiter nach Hause geschickt.

"Das Werbejahr 2008 war insgesamt für Radio kein leichtes. Das liegt aber hierzulande nur bedingt an der aktuellen Finanzkrise", so Claudia Scheibel, Pressesprecherin ARD-Werbung Sales & Services ( ASS ). Vielmehr habe das Konditionengerangel der beiden großen privaten TV-Vermarkter den deutschen Werbemarkt das gesamte erste Quartal 2008 blockiert. "Wir rechnen am Ende des Jahres mit einer schwarzen Umsatznull, gehen jedoch mit einigen Erwartungen in das kommende Jahr", ergänzt Scheibel. Gerade ein schneller und emotionaler Werbeträger wie Radio spiele in Krisenzeiten seine Stärken voll aus. Hoffnungsschimmer sehen trotz akuter Probleme auch die US-Radios. Denn obwohl die Nutzungszeiten in den USA zurückgehen, hören die Menschen immer noch durchschnittlich 18,5 Stunden pro Woche Radio.

Die Sender haben mittlerweile auch den Sprung ins Internet geschafft und bieten eigene Online-Programme an. Einnahmen aus der stetig wachsenden Online-Werbung sollen den Unternehmen zusätzliches Geld erschließen. Allerdings befindet sich der Bereich derzeit noch in den Kinderschuhen. Im vergangenen Jahr entfielen auf die Off-Air-Aktivitäten der Radios nur acht Prozent der gesamten Radiowerbung. Gleichzeitig zeigt sich, dass inzwischen selbst die größten und finanzkräftigsten Werbekunden ihre Ausgaben im US-Radio einschränken. Auch die Konsolidierung zwischen wichtigen Konzernen, wie zum Beispiel in der Autoindustrie, führte dazu, dass die Anzahl von Unternehmen und Marken, die in Werbung investieren, geschrumpft ist. In Deutschland gibt man sich allerdings hoffnungsfroh. "Wenn der Absatz stagniert, räumt Radiowerbung die Lagerhallen und Autohöfe leer. Wenn die werbetreibenden Unternehmen auf die Abverkaufsstärke des Radios vertrauen, dann ist die Krise eine Chance", meint Scheibel. (pte/jp)

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