08.04.2010, 15:25

Frank Ziemann

Qubes OS

Virtualisierung soll mehr Sicherheit bringen

Das Open-Source-Projekt Qubes soll ein Betriebssystem werden, das verschiedene Anwendungen in separate virtuelle Maschinen packt. Dadurch sollen Arbeit, Shopping oder Online-Banking voneinander isoliert werden, etwa um die Ausbreitung von Viren zu stoppen.
Virtualisierung ist eines der großen Buzz-Words in der aktuellen IT-Landschaft. War Virtualisierung in der Praxis bislang vor allem ein Thema für Unternehmen und Sicherheitsforscher, soll ein Projekt namens "Qubes" den Sicherheitsgewinn virtueller Maschinen (VM) künftig für Jedermann zugänglich machen. Joanna Rutkowska, bekannt durch ihr Demo-Rootkit "Blue Pill", hat ihr Betriebssystemkonzept Qubes OS vorgestellt, das Anwendungen in virtuellen Maschinen separiert.
Qubes OS basiert auf Linux, dem Hypervisor Xen und dem X Window System. Relativ schlanke virtuelle Maschinen (so genannte "AppVMs") unter der Kontrolle von Xen sollen alltägliche Anwendungsszenarien wie Büroarbeiten, Web-Shopping, soziale Netzwerke oder Online-Banking von einander isolieren. Dadurch sollen sie sich nicht gegenseitig beeinflussen können. Das Online-Banking etwa bleibt sicher, auch wenn eine andere VM mit einem Trojanischen Pferd verseucht wird.
Die AppVMs basieren auf einer gemeinsamen Vorlage (TemplateVM), auf die sie lesend (read-only) zugreifen. Das hat den Vorteil, dass Updates für Programme wie Browser oder Mail-Client nur einmal in der TemplateVM installiert werden müssen - nicht separat in jeder AppVM.
Eine typische VM soll nur etwa 400 MB Speicher benötigen und dennoch Mail-Client, Web-Browser und Office-Paket gleichzeitig ausführen können. Sicheres Kopieren über eine Zwischenablage von einer VM zur anderen ist möglich, ohne das nicht beteiligte VMs auf die kopierten Daten zugreifen kann. Netzwerk und Speichersysteme laufen in separaten, nicht privilegierten VMs. Die zentrale Steuerung des Gesamtsystems erfolgt über eine grafische Oberfläche in der privilegierten Domäne (Dom0).
Qubes OS ist Open Source Software und setzt moderne Prozessoren voraus, die Intels Virtualisierungstechnik VT-d unterstützen. Das in dieser Woche vorgestellte Projekt befindet sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium. Joanna Rutkowska und ihre Firma Invisible Things Lab wollen gegen Ende dieses Jahres eine praktische einsetzbare Fassung fertig stellen. In Zukunft könnten auch Windows-Anwendungen in Qubes laufen.
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