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Quadratur des Kreises: Weblog-Buch von Don Alphonso

01.10.2004 | 14:24 Uhr |

Tagebücher im Internet, sogenannte Blogs, gewinnen auch in Deutschland immer mehr Anhänger. Ein neues Buch beschäftigt sich mit dem Phänomen.

Der als Betreiber der Site Dotcomtod bekannte Don Alphonso und Kai Pahl haben eine Bestandsaufnahme zum Thema Weblogs herausgegeben. "Blogs! – Text und Form in Internet“ ist ein aufwendig gestaltetes Buch bei Schwarzkopf & Schwarzkopf . Das Werk ist allerdings mit 24,90 Euro sein Geld höchstens für den wert, der sich dem Phänomen Blog über das dafür unpassende Medium Buch nähern will.

Das Buch ist nur teilweise ein Computerbuch im herkömmlichen Sinne, das erklärt, welche Software man zum Bloggen braucht und was der Anwender beachten muss. "Blogs“ setzt eine Stufe weiter unten an. Die Autoren erklären, wie Weblogs funktionieren und beschreiben, dass Blogs auch Auswirkungen auf den Journalismus im Internet haben können. Außerdem erfahren Sie, welche rechtlichen Stolperfallen es gibt.
Auf diesen ersten rund 40 Seiten geht das Konzept auch auf, nicht aber auf den folgenden 300 Seiten. Denn im Hauptteil versuchen die Herausgeber die Quadratur des Kreises, sie pressen ein dynamisches Medium in ein statisches, indem Sie die Blogger (also die Schreiber von Weblogs) selbst zu Wort kommen lassen. Das Werk zitiert aus mehr als einem Dutzend in der Szene bekannten Weblogs und versucht so eine Bestandsaufnahme der deutschen Weblog-Landschaft. Das ist zugegebenermaßen ein gewagtes Unterfangen, schon weil die Auswahl subjektiv ausfällt – ausfallen muss. Neben einem Dutzend Blogs von Einzelautoren stellen die Herausgeber auch einige Gemeinschafts-Weblogs vor, etwa jetzt.de .

Der methodische Fehler ist dabei nicht, dass sie die Blogger selbst zu Wort kommen lassen, sondern vielmehr die fehlende Kommentierung der Inhalte. Der Leser wird hier alleine gelassen, denn ob es für ihn so spannend ist, eine recht willkürliche Auswahl an Beiträgen serviert zu bekommen, darf bezweifelt werden. Spannender ist es, gleich ins Internet zu gehen und dort zu schmökern. Ein Weblog lebt schließlich von Links und von der Aktualität. Hier kann das Buch nur eine unbefriedigende Alternative sein.

Sehr empfehlenswert ist dagegen ein Blick auf die Website der Autoren zum Buch . Hier finden Sie die Links zu den Weblogs, die im Buch auftauchen – und können gleich einen Streifzug dorthin unternehmen.

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