Auto & Technik auf PC-WELT

Audio- oder Multimedia-Systeme, Navis, eCall und mehr: Die Elektronik in modernen Autos wird immer ausgefeilter. Wir testen die Multimedia- und Multifunktionssysteme von Audi, BMW, Mercedes, Toyota und vielen Herstellern mehr.

1900948

Prüfbericht bestätigt schwere Manipulationen beim Gelben Engel

10.02.2014 | 16:16 Uhr |

Der ADAC hat das desaströse Ergebnis der Überprüfung der Wahl zum Lieblingsauto 2014/Gelber Engel veröffentlicht. Die Anzahl der abgegebenen Stimmen wurde manipuliert, die Reihenfolge der platzierten Fahrzeuge ist fehlerhaft, es gab Verfahrensfehler bei Ermittlung und Auswertung der Stimmen. Zudem gebe es eindeutige Hinweise auf veränderte Ergebnisse in den Vorjahren. Der ADAC plant rechtliche Schritte gegen den ehemaligen Chefredakteur der ADAC Motorwelt.

Was für ein Tag: Erst tritt ADAC-Präsident Peter Meyer zurück. Und kommt damit seiner Suspendierung zuvor. Und dann veröffentlicht der ADAC endlich den Prüfbericht von Deloitte. Dessen Ergebnis ist eine Katastrophe: Bei der Leserwahl zum Lieblingsauto 2014/Gelber Engel wurde fast nach Belieben getrickst und betrogen. Hier der volle Wortlaut der Pressemitteilung des ADAC, die der Automobilclub soeben verschickt hat:
 
„Das Prüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte hat heute die Ergebnisse ihrer Untersuchung zur Leserwahl Lieblingsauto 2014 bei der Preisverleihung Gelber Engel vorgestellt. Deloitte war am 27. Januar 2014 vom ADAC beauftragt worden, die Wahl umfassend zu untersuchen, nachdem der ehemalige Kommunikationschef des ADAC zugegeben hatte, die Anzahl der abgegebenen Stimmen verändert zu haben.
 
Die Ergebnisse der Deloitte-Untersuchung bestätigen die Manipulation der Teilnehmerzahl bei der Wahl des Lieblingsautos 2014. Darüber hinaus belegt der Bericht, dass die Reihenfolge der Fahrzeugmodelle nicht mit den Ergebnissen der Preisverleihung am 16. Januar 2014 übereinstimmt. Gründe für die falschen Ergebnisse sind Deloitte zufolge sowohl vorsätzliche Veränderungen als auch eine technisch fehlerhafte Verarbeitung der Daten.
 
Frank Marzluf, Partner Forensic bei Deloitte: ‚Unsere Untersuchungen haben Prozessschwächen, Fehler in der Datenverarbeitung sowie Manipulationen bei der Wahl zum Lieblingsauto 2014 offenbart. Der ehemalige ADAC-Kommunikationschef hat nach unseren Erkenntnissen am Vormittag des 28. November 2013, dem Tag der Ergebniskommunikation, auf seinem PC verschiedene Szenarien simuliert, bei denen sowohl die Stimmenzahl als auch die Zuordnung der Stimmen zu den einzelnen Modellen willkürlich verändert wurden. Die Simulationen erfolgten auf unvollständigen Zahlen.‘
 
Nach Auswertung von Deloitte wurden insgesamt 45.202 Stimmen abgegeben. 3.271 Stimmen fielen auf den VW Golf, 1.703 Stimmen auf den BMW 3er, 1.664 Stimmen auf den Audi A 3, 1.320 Stimmen auf die Mercedes A-Klasse und 1.184 Stimmen auf den Skoda Octavia.
 
Zudem gibt es laut Deloitte klare Anhaltspunkte dafür, dass ähnliche Veränderungen auch in den Vorjahren vorgenommen worden sind. ‚Es gibt eindeutige Hinweise darauf, dass die Vorgehensweise bei der Ermittlung des Lieblingsautos in den vergangenen Jahren ähnlich abgelaufen ist. Endgültige Aussagen können wir aber erst treffen, wenn unsere Untersuchungen der Vorjahre abgeschlossen sind‘, so Marzluf. Die Prüfergebnisse der Wahl zum Lieblingsauto in den Jahren 2005 bis 2013 werden voraussichtlich nächste Woche kommuniziert.
 
In Abhängigkeit von den weiteren Ergebnissen der Deloitte-Untersuchung werden rechtliche Schritte gegen den ehemaligen Kommunikationschef des ADAC vorbereitet.
 
Deloitte hat im Rahmen der Untersuchungen 24 Interviews durchgeführt, 69.000 Dateien von IT-Geräten wiederhergestellt, aufbereitet und systematisch ausgewertet. Anhand der gesamten elektronischen Daten haben Datenbankexperten eine vollständige, neue Auszählung der Online-Stimmen vorgenommen und auf dieser Basis das korrekte Wahlergebnis ermittelt.
 
'Die Manipulationen bei der Leserwahl zum Lieblingsauto 2014 sind ein schwerer Schlag für den gesamten ADAC. Wir sind fassungslos, dass dies in unserem Haus passieren konnte', sagt Dr. Karl Obermair, Vorsitzender der ADAC Geschäftsführung. 'Wir verstehen den Unmut der Automobilhersteller und der Öffentlichkeit und bedauern zutiefst, dass wir mit den jetzt bewiesenen Manipulationen sehr viel Vertrauen verloren haben. Dafür möchten wir uns bei unseren Mitgliedern, den ADAC Mitarbeitern sowie den betroffenen Automobilherstellern in aller Form entschuldigen. Die Auszeichnung Gelber Engel wird es in Zukunft definitiv nicht mehr geben', so Obermair weiter. 'Deloitte wird die Wahl zum Lieblingsauto von 2005 bis 2013 sowie die übrigen Gelber Engel-Kategorien seit 2005 - wie öffentlich angekündigt - lückenlos analysieren.'
 
Den vollständigen Bericht von Deloitte, in dem die Manipulationen genau erklärt werden, können Sie hier als PDF nachlesen.

ADAC-Präsident Peter Meyer kommt mit Rücktritt Suspendierung zuvor

Nach ersten Medienberichten geben Daimler, BMW und Volkswagen ihre Preise zurück.

0 Kommentare zu diesem Artikel
1900948