31.12.2000, 14:12

Panagiotis Kolokythas

Produziert Sega für Xbox?

Die Gerüchte über den Spiele-Konsolenhersteller Sega reißen nicht ab. Immer wahrscheinlicher scheint es nun, dass Sega den Ausstieg aus dem Konsolengeschäft plant. Stattdessen will sich Sega zukünftig mehr im Mobilfunk-Geschäft engagieren. Die Spiele-Entwickler von Sega könnten in Zukunft für andere Plattformen entwickeln. Nicht nur für Nintendos Gameboy Advantage, sondern auch für die Xbox und sogar die Playstation 2.
Die Gerüchte über den Spiele-Konsolenhersteller Sega reißen nicht ab und dazu kommen immer mehr Fakten zu finanziellen Problemen von Sega auf den Tisch. Jetzt berichtet das Wallstreet Journal, dass Sega den Ausstieg aus dem Konsolengeschäft plant. Stattdessen wolle sich Sega zukünftig mehr im Mobilfunk-Geschäft engagieren.
Der Konsolenmarkt scheint in Aufruhr geraten zu sein, nachdem nun mittlerweile Sonys Playstation 2 weltweit - wenn auch nur in begrenzter Anzahl - verfügbar ist. In den Startlöchern steckt Microsoft Xbox, die der Konkurrenz das Fürchten lehren will.
Segas Erfolg auf dem Konsolenmarkt war in den letzten Jahren eher bescheiden. Die Dreamcast verkaufte sich nur schleppend und brachte Sega nicht den erhofften finanziellen Umbruch. Stattdessen schreibt Sega nun im vierten Jahr in Folge rote Zahlen. Im laufenden Geschäftsjahr wird mit einem Verlust von 190 Millionen Dollar (knapp 400 Millionen Mark) gerechnet.
Überraschend kam dann über Weihnachten die Meldung der New York Times, Sega führe Verhandlungen mit Nintendo, mit dem Ziel der Übernahme durch Nintendo. Beide Unternehmen reagierten sofort mit Dementis. Gespräche zu diesem Thema würden nicht geführt werden.
Jetzt veröffentlicht das Wallstreet Journal einen Artikel, in dem behauptet wird, Sega plane den völligen Ausstieg aus dem Konsolenmarkt.
Das Gerücht selbst ist nicht neu. Insider wissen, dass Sega schon seit einiger Zeit mit großen Problemen zu kämpfen hat. Neben der Verlustserie erkrankte der 74jährige Sega-Chef Isao Okawa, der auch 13 Prozent der Anteile an Sega hält.
Okawa gehört auch zu 25 Prozent das Computer-Service-Unternehmen CSK: Der Vizechef Kazuhiko Nishi sagte in einem Interview mit dem Wallstreet Journal: "Langfristig wird Sega aus der Hardware-Produktion aussteigen". Er rechne aber nicht damit, dass Sega von heute auf morgen die Dreamcast einfach aus den Regalen nehmen werde. Stattdessen erwarte er einen "langsamen, ehrenvolle Rückzug". Nishi gilt als enger Vertrauter des Sega-Chefs.
Der Pressesprecher von Sega, Munehiro Umemura, bestätigte in dem Interview mit dem Wallstreet Journal indirekt den Ausstieg vom Konsolenmarkt.
Im Sega-Imperium besonders erfolgreich sind die Spiele-Abteilungen. Würde Sega aus dem Konsolenmarkt aussteigen, so könnten die Spiele-Entwickler auch für andere Platformen vermehrt Spiele entwickeln. Bisher war Segas Geschäftspolitik in der Hinsicht sehr streng. Ein erstes Anzeichen dafür, dass sich die Einstellung zu diesem Thema geändert hat, könnte auch die aktuelle Entscheidung sein, dass Sega Spiele für den Nintendo Gameboy Advance herstellen wird. In Zukunft ist es also mehr als denkbar, dass Sega auch Spiele für die Gamecube von Nintendo und die Xbox von Microsoft entwickeln wird - sogar über Spiele für die Playstation 2 wird spekuliert.
Eine andere Möglichkeit wäre auch der Verkauf von Sega. Sowohl Electronic Arts, als auch Microsoft sollen an Sega interessiert sein. Diese Möglichkeit gilt allerdings als ausgeschlossen: Isao Okawa würde sein Lebenswerk nicht verkaufen wollen. (PC-WELT, 29.12.2000, pk)
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