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Fraunhofer startet Portal gegen Plagiate

05.08.2008 | 13:30 Uhr |

Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie (IPT) hat ein neues Internetportal gestartet, das sich mit dem Problem der Produktpiraterie auseinandersetzt.

Die Plattform soll Unternehmen dienen, die sich von einer konkreten Gefahr der Produktpiraterie bedroht sehen oder bereits von Imitationsfällen betroffen sind. Ziel sei es, derart Betroffenen bei der Suche nach wirksamen Mechanismen zum Schutz vor Produktimitationen zu helfen. Zu diesem Zweck bietet das Portal unter anderem einen Fragenkatalog an, der Unternehmen dabei unterstützen soll, die eigene Situation genauer unter die Lupe zu nehmen. Alle, die den Fragebogen ausfüllen, erhalten dann eine individuelle Auswertung über geeignete Schutzmechanismen für ihren konkreten Anwendungsfall.

"Das Phänomen der Produktfälschung ist an sich keinesfalls neu. Es lässt sich allerdings feststellen, dass sich das Problem in den vergangenen paar Jahren auf eine zunehmende Zahl der unterschiedlichsten Industriebereiche ausgeweitet hat", erklärt Christoph Haag, Leiter des Projekts "Technologie-Know-how-Schutz" des Fraunhofer IPT, auf Anfrage von pressetext. So seien bereits seit einigen Jahren nicht mehr nur ausschließlich Luxusgüter wie Schmuck und Textilien von Produktpiraterie betroffen, sondern auch Bereiche wie die Automobil- und die Elektroindustrie. "Diese Beobachtung hat uns vor mittlerweile rund zwei Jahren dazu veranlasst, das aktuelle Projekt zu starten", schildert Haag. Im Rahmen des Entwicklungsprozesses habe der Fokus zwar in erster Linie auf Unternehmen aus den Bereichen Maschinen- und Anlagenbau und aus der Automobil- und Elektroindustrie gelegen. "In der Ausrichtung wendet sich das Portal aber an ein wesentlich breiteres Publikum", stellt Haag klar.

Bislang seien Patentverletzungen ausschließlich per Gesetz verfolgbar, nur einige wenige Unternehmen würden hierfür auch technische Maßnahmen einsetzen. "Mit dem Portal wollen wir aber auch zusätzlich zu den rechtlichen Maßnahmen eine Hilfestellung bieten", erläutert Haag. Zu diesem Zweck hält das Portal eine offene Suchfunktion bereit, mit der die Nutzer aus einer Liste von technischen und strategischen Schutzmechanismen selbständig passende Maßnahmen auswählen können, die sich zur Umsetzung in ihrem Unternehmen eignen. "Die Liste stellt eine Art Leitfaden für Unternehmen dar und soll zur Einführung in die Thematik dienen. Die 28 in der Liste enthaltenen Maßnahmen sind aber lediglich als Ideen zu verstehen, die Unternehmen dann für ihren konkreten Fall adaptieren müssen", betont Haag.

Entstanden ist das Produktpiraterie-Portal im Rahmen des Forschungsprojekts "Technologie-Know-how-Schutz" des Fraunhofer IPT. Gefördert wurde es durch die Stiftung Industrieforschung sowie fünf Partnern aus der Industrie, deren Namen Haag gegenüber pressetext nicht preisgeben will. "Wir erwarten uns einen sehr starken Zulauf gerade von mittelständischen Unternehmen des deutschsprachigen Raums", meint der zuständige Projektleiter. Die Industrie habe zwar schon bezüglich einer englischsprachigen Variante angefragt, konkrete Pläne gäbe es in diesem Zusammenhang aber derzeit noch keine, so Haag abschließend. (pte)

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